Kies me, baby!

Wer ein Haus mit Grundstück kauft, braucht vor allem eins: verdammt viel Kies. Nicht nur in der Tasche, sondern manchmal auch im Garten. ;)

Unser Vorgarten oder: Was fangen wir damit eigentlich an?

Während wir für den Garten hinter dem Haus recht schnell die ersten Vorstellungen zur Gestaltung hatten, machte uns der Vorgarten erst einmal ratlos. Denn im Gegensatz zu den Häusern in der zweiten Reihe, die ihre Autostellplätze vor der Haustür und deshalb eher schmale Blumenbeete als einen richtigen Vorgarten haben, hat unserer den Namen tatsächlich verdient. Immerhin 4,3 mal 5,5 Meter misst die Fläche – das will erst mal gestaltet werden.

Die Ausgangssituation war … nennen wir es »nicht wirklich ansprechend«. Das ist zugegebenermaßen etwas geschmeichelt, denn außer einem Weg samt Treppe aus grauen Pflastersteinen, einem Briefkastenprovisorium auf Holzpfahl und vier Mülltonnen, die zwar reichlich bunt bedeckelt, aber ansonsten wenig ansehnlich sind, gab es nicht viel. Das heißt, doch: Es gab ein rund zwanzig Zentimeter tiefes Loch, das erst mal mit Muttererde aufgefüllt werden wollte. Und an der Stelle hörten unsere Pläne für den Vorgarten für einige Monate erst mal auf.

Es werde grün!

Aus zwanzig Quadratmetern Loch wurden also zwanzig Quadratmeter Erde, die je nach Witterung und Sonneneinstrahlung mal wie, nun ja, Erde oder wie eine Staubwüste aussahen. Also wälzte ich diverse Onlinegartenkataloge und -ratgeber nach Pflanzen, die die Fläche optisch aufwerten sollten. Hübsch sollten sie sein und gleichzeitig für unseren Vorgarten geeignet. Sechs Meter in die Höhe schießende Bäume fielen schon mal aus, immerhin wollten wir keine grüne Laubwand vor dem Küchenfenster. Damit schied leider auch die von mir favorisierte und in vielen umliegenden Gärten schon bewunderte Magnolie aus. Außerdem mussten die Pflanzen mit wenig Sonnenlicht auskommen, denn abgesehen von ein paar Stunden Morgensonne liegt unser Vorgarten den ganzen Tag im Schatten des Hauses.

Funkie mit Blüte

So fiel meine Wahl auf drei verschiedene Sorten Funkien und zwei Farnarten in unterschiedlichen Farben. Meine Vorstellung war, dass die insgesamt dreizehn Pflanzen in Zukunft den hinteren Teil des Vorgartens, also den direkt am Haus, schön dicht begrünen würden, wobei die Funkien mit drei verschiedenen Blattfarben für genug Abwechslung sorgen sollten. Die Farne in Gold und Silber (im Onlineshop sah das wunderschön aus) sollten dazwischen als Blickfang dienen. Da wir kein Auto unser Eigen nennen, mit dem man Pflanzen vom nächsten Pflanzenhandel herankarren könnte, bestellte ich das ausgesuchte Grün im Internet. Der Vorteil: Die Pflanzen gab’s gleich im praktischen Set, was wesentlich günstiger war als im Baumarkt. Allerdings bekommt man im Baumarkt auch mehr fürs Geld. Mehr Pflanze vor allem. Die gelieferten solchen konnte man allenfalls als Pflänzchen bezeichnen. So wird das mit dem Urwald vor der Haustür wohl noch etwas dauern.

Apropos dauern: Das Einpflanzen musste dann auch noch einige Wochen (!) warten. Da gab es ja noch einen Zaun, der sich nicht so schnell aufstellte wie erwartet … Die bestellten Pflanzen bekamen derweil Asyl im Gästebad – und Thomas bei jedem Betreten des Zimmers ein graues Haar mehr.

Es grünt so grün …

Als es dann endlich ans Einpflanzen ging, offenbarte sich ein winzigkleiner Planungsfehler oder sagen wir, etwas, das ich nicht bedacht hatte: Die Pflanzen waren so … grün! Tatsächlich haben die Funkien drei verschiedene Blattfarben, aber ob nun dunkelgrün, hellgrün oder blaugrün – grün bleibt grün. Und die Farne? Die sind von Gold und Silber auch noch weit entfernt.

Die Farne haben zwar unterschiedliche Farben, aber von Gold (links) und Silber (rechts) sind sie noch weit entfernt

So gesellten sich bei einigen Baumarktbesuchen noch zwei Hortensien, eine Harlekinweide, eine rot blühende Prachtspiere und ein Japanischer Ahorn hinzu, um wenigstens etwas Farbe ins Spiel zu bringen. Passend dazu kamen noch zwei Blumenkästen mit rot blühender Bepflanzung in die Fenster von Küche und Gäste-WC. Ach ja, die Blüten der Hortensien färben sich inzwischen übrigens – wie sollte es auch anders sein – grün. Hmpf.

Ein Garten für mit viel Kies

Da die online bestellten Pflänzchen wie gesagt recht klein waren und auch im Baumarkt nur die Miniausgaben erschwinglich sind, war das Problem mit dem wenig ansehnlichen Fleckchen Erde vor dem Haus aber immer noch nicht gelöst. Inzwischen sprossen nach einem heftigen Regenguss sogar schon Pilze daraus hervor. Und nicht nur das: Spätestens seit der Lieferung des Rollrasens sahen die Vorgärten der Nachbarn fertig aus. Wir dagegen hatten keinen Rasen im Vorgarten gewollt, um nicht mit dem Rasenmäher wahlweise durchs Haus oder um das Haus herum zu müssen, und nun fühlte sich unser Vorgarten an wie das hässliche Entlein des Blocks.

Die Lösung: Kies. Viel Kies. Ich hatte schon lange mit der Gestaltung eines Kiesgartens geliebäugelt und die Idee spätestens nach dem Betrachten eines anderen Vorgartens in der Nachbarschaft zur beschlossenen Sache erklärt. Schließlich hat so ein Kiesgarten einige Vorteile: Er sieht immer gepflegt aus und macht kaum Arbeit. Da wir den Vorgarten nur beim Losgehen und Heimkommen sehen (und beim Rausbringen des Mülls), uns ansonsten aber eher im Garten hinter dem Haus aufhalten, sind diese Eigenschaften genau das Richtige.

Die Harlekinweide wuchert schon ordentlich. Beim Einpflanzen reichten die Zweige noch lange nicht bis auf den Boden.

Mal wieder im Baumarkt standen wir vor der Qual der Wahl. Kies gibt es quasi wie Sand am Meer, und das in unzähligen Größen und Farben. Weiß und rund oder schwarz und spitz? Alles ist möglich. Meine erste Wahl war ein bunter Rheinkies, wie er auch schon im Traufring um das Haus herum liegt. Das passte gut zusammen und die verschiedenfarbigen Steine sahen auch nicht zu langweilig aus, außerdem waren sie nicht zu krümelig klein. Aber wenn ich bei unseren bisherigen Planungen rund ums Haus eins gelernt habe, dann das: Der erste Plan ist selten der finale.

Gelb, gelb, gelb sind alle meine Steine

Im Garten lag rechts und links der Terrasse zu dieser Zeit bereits Kies, und zwar ein beige-gelber Kalkstein, der im Handel auf den klangvollen Namen »Yellow Sun« hört. Derselbe Kies sollte den Bereich um unsere frisch aufgebaute Gartenhütte zieren. Thomas, der beim Thema Gartenplanung ansonsten eher die absegnende Instanz und hin und wieder die ausführende Kraft darstellt, kam irgendwann auf die glorreiche Idee, dass wir nur einmal bestellen müssten, wenn wir im Vorgarten einfach denselben Zierkies verwendeten. Außerdem würde der hübsche gelbliche Kies dort doch auch eine super Figur machen. Nun, auch ein blindes Huhn findet mal ein Gartengestaltungskorn und so ging bald auch im Vorgarten die (steinerne) Sonne auf.

Kurze Zeit später standen 1,5 Tonnen »Yellow Sun« auf unserem Autostellplatz, geliefert von zierkiesundsplitt.de, die wir an dieser Stelle gerne weiterempfehlen. Der Preis war um einiges günstiger als im Baumarkt, noch dazu versandkostenfrei und die Lieferung ging wirklich schnell und reibungslos. Da können sich einige Umzugs- und Zaunbaufirmen gerne etwas abschauen.

So sieht er aus, der Zierkies »Yellow Sun«

Gleich mitbestellt hatten wir einige Meter metallene Rasenkanten und weißes Unkrautvlies. Mit beidem ging es dann auch fleißig ans Werk, denn wir wollten weder, dass unser Kies durch den Zaun hindurch bei den Nachbarn landet, noch dass sich Unkraut seinen Weg an die Oberfläche bahnt. Wie besch…eiden es sich macht, Unkraut aus Kiesbeeten zu zupfen, sehe ich einmal pro Woche neben unserer Terrasse, wo wir leider noch nicht so schlau waren, uns über Unkrautverhütung zu informieren. Aber Fehler sind da, um aus ihnen zu lernen, und so schaufelten wir das weiße Vlies mit einer Tonne noch weißem Zierkies (die Thomas mangels Schubkarre Eimerchen für Eimerchen durchs Wohnzimmer trug) zu, denn beige-gelb sollte er erst nach dem ersten Regenschauer werden. Der ließ allerdings nicht lange auf sich warten, sodass es zwei Samstagseinsätze brauchte, um den gesamten Vorgarten mit den kleinen Steinchen einzudecken.

Aber die Mühe hat sich gelohnt, wie ich finde. Davon darf man sich wie immer in unserer traditionellen Fotogalerie überzeugen:

 

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4 Gedanken zu “Kies me, baby!

  1. Latha math, Jasmin.
    „Jeder Garten beginnt mit einer Vorstellung von Grün – danach werden wir alle zu Gärtnern.“
    (Florance Ippdit)
    Als Alternative zu den Magnolienbäumen gibt es auch die Sternmagnolie, die einen strauchartigen Wuchs aufweist (bei jährlichem Schnitt lässt sie sich auch im kleinen Vorgarten halten). Leider nur in der Farbe Weiss.
    Die Funkien (gute Wahl!) werden noch gut zur Geltung kommen, sobald sie größer sind. Bei den Farnen könnte es etwas länger dauern.
    Hortensien mögen (ähnlich wie Farne) einen leicht sauren Boden, weswegen die Gabe von Torf (oder zumindest Pflanzerde) bei der Pflanzung vorteilhaft ist. Die verwelkten Blütendolden kann man/frau über den Winter stehen lassen; dekorativ wenn sich der Reif darin fängt & ein zusätzlicher Schutz für die angesetzten, neuen Blütenknospen.
    Vermutlich dürfte Thomas bei Zierkies-Eimerschleppen den kurzen Marathonlauf absolviert haben…🙂

    Selbst mit dem Vließ solltest Du ein wachsames Unkrautauge behalten, weil die freie Natur da sehr hartnäckig sein kann (selbst in Strassenrinnen wuchert das Grün, wenn es darf). Auf den Winter sollte kein gefallenes Laub mehr auf der Kiesfläche liegen (alles was noch direkt an den Stauden hängt, kann man/frau als zusätzlichen Frostschutz aber belassen). Im Frühjahr empfiehlt sich dann die Kiesoberfläche zu locker (hier genügt ein harter Besen); sieht danach wieder „frisch“ aus & erschwert Samenunkräutern das ankeimen.
    Rasenkantenbleche sind hier eine sehr gute Idee. Schöne Optik & erleichtert die Pflege ungemein.

    Sobald die Nächte kühler werden, färbt sich der Ahorn blutrot; besonders schon in der Herbstsonne dann.

    Weiden wachsen so ungestüm zäh wie Unkraut; beim Höchstämmchen könntet Ihr einen Winterschutz anbringen (je nachdem wie kalt die Winter bei Euch ausfallen). Wichtig dann, die Veredelungsstelle oben am „Kopf“ (quasi ein Rollkragenpullover für den Salix).

    Sehr schön gepflanzter Kasten übrigens; ideal sind übrigens die Weihrauch, weil sie einem Fliegen vom Fenster (somit dem Raum dahinter) fernhalten.

    Doch – aussen wie innen ein schönes Heim! Da kommt man/frau gern nachhause.

    bonté

    • Hallo RoM,

      eine Vorstellung von Grün – das trifft es ziemlich gut.

      Die weiße Sternmagnolie hatte ich tatsächlich auch kurz ins Auge gefasst, allerdings gefiel sie mir in Blüte und Wuchs nicht so gut wie die baumartigen Verwandten. Die Funkien kannte ich dagegen schon aus dem Garten meiner Eltern – da wuchern sie seit Jahren prächtig vor sich hin.

      Pflanzerde haben bisher alle Pflanzen im Garten und Vorgarten untergeschoben bekommen. Da die Hortensien gerade anfangen, neue Triebe zu produzieren, gefällt es ihnen an ihrem Platz scheinbar auch nicht sooo schlecht. Die rechte hat auch einen neuen Blütenansatz, der interessanterweise wieder lila aussieht, nachdem sich die alten Blüten alle von lila zu pink-grün verfärbt hatten. Bin gespannt, ob und wie sie dann blühen.
      Danke auch für den Tipp zum Winterschmuck! Ich werde daran denken, wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt.

      Dass das Vlies keine hundertprozentige Abwehr gegen jedes Unkraut ist, habe ich auch schon bemerkt. Der Kies war bei der Lieferung auch nicht gewaschen, das hat dann der erste Regen erledigt. So hat sich dann gleich eine hauchdünne Schicht Kalksand auf dem Vlies gesammelt und selbst in diesem Millimeter „Boden“ wächst das Unkraut an. Zumal gegenüber des Vorgartens ein von der Stadt angelegter Rasenstreifen liegt, der mehr aus Unkraut denn aus Gras besteht. Da weht auch gerne mal was rüber.
      Vor dem Winter Laub entfernen und nach dem Winter auflockern – ist notiert.

      Auf den blutroten Ahorn bin ich schon sehr gespannt. Leider hat er, nachdem er anfangs schon mal schöne neue Blättchen trieb, wohl einen Sonnenbrand abbekommen. Die Spitzen haben seitdem nur noch kleine, verbrannt aussehende grau-rote Blättchen. Mal schauen, ob da noch mal was austreibt oder ob er die Zweispitzen jetzt links liegen lässt.

      Ein Rollkragen für die Weide ist ja süß. Ich bin auch schon am Überlegen, wie ich die Pflanzen im Winter schützen kann, denn laut Beschreibung im Onlineshop soll man auch den Ahorn im ersten Winter etwas bemuttern. Und wir haben hier ja oft ziemliche Stürme, da gibt es bestimmt auch ordentlich Bodenfrost. Ich habe die Hoffnung, dass der Kies schon ein bisschen davon abhält, aber reichen wird das vielleicht nicht, zumal der Boden unter dem Kies auch schön feucht bleibt. Hast du Tipps, was da brauchbar wäre?

      Nächstes Jahr bestücke ich dann also jedes Fenster im Haus mit Weihrauch. ;) Die Pflänzchen in den Vorgartenfenstern scheinen jedenfalls noch nicht genug zu sein, die Fliegen tummeln sich. (Kommen aber wohl eher beim Lüften durch die Terrassentüren.)

      Tatsächlich komme ich noch mal so gerne nach Hause, seitdem der Vorgarten „fertig“ ist. Oder ich bleibe gleich hier. Der Ausblick aus dem Küchenfenster ist ja schön. ;)

      • …seit Jahrzehnten hänge ich eine Weihrauchampel neben meiner Balkontür auf & halte mir so das Geschmeiß draußen.
        Die Weide kannst Du im frühen März gern auf 10 bis 15cm zurückschneiden (jeweils nah am nächsten Auge). Um den Stamm im Winter zu schützen genügt es Vlies, Ballierstoff oder auch Luftpolsterfolie darum zu wickeln & locker zu befestigen (nicht vor den ersten Nachtfrösten). Zusätzlich kannst Du den Kopf (wo die Weide auf den Stamm aufgepfropft ist)schützen; hier genügen ein/zwei biegsame, feine Fichtenzweige, die wie ein Fäustling über die Veredelungsstelle gebogen & unterhalb, am Stamm zusammengebunden werden.
        Fichtenzweige eignen sich auch, um die Hortensien in schneearmen Wintern zu schützen; wie ein Tippi, die drei bis vier Zweige locker anlegen & die die Astenden oben in der mitte festzurren.
        Du kannst des „Herz“ des jungen Ahorns vor kaltem Ostwind schützen, indem Du zwei, drei Fichtenzweige anliegend um die Mitte anbringst. Astenden im Kies verankern & verschnüren, die Spitzen zusammenführen. Dann den „Mantel“ mit Schnur oder Wickeldraht „verpacken“. Wichtig noch: Die Zweige so anordnen, dass sie der Hauptwindrichtung (Osten) die geringste Angriffsfläche bieten.

        bonté

    • Danke dir für deine wertvollen Tipps! Ich werde dann mal Ausschau nach Fichtenzweigen halten, wenn es so weit ist, und sämtlichen Kandidaten ein Wintermäntelchen anziehen. :)

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