Hüttengaudi

Verdauen wir immer noch den holprigen Zaunaufbau oder ist einfach nur der Sommer eingekehrt, sodass wir unsere freie Zeit lieber draußen verbringen, statt unser kleines Baublog zu pflegen? Wie dem auch sei, der letzte Beitrag liegt nun schon einige Zeit zurück. Höchste Zeit also, vorm kommenden Herbst noch fix die fehlenden Gartenthemen zu besprechen, um die wir uns in diesem Jahr gekümmert haben.

Ein großes Thema – für viele vermutlich eines der wichtigsten – ist ja immer das Gartenhaus. So mancher Häuslebauer macht dermaßen viel Wind um die Sache, dass man meinen könnte, der Haussegen hinge schief und einer von beiden würde demnächst ins Gartenhaus ziehen müssen, um künftig mit dem Rasenmäher zu kuscheln.

Gut geplant ist halb gebaut

So weit ist es bei uns noch nicht, drum machten wir eben auch keine Wissenschaft draus. Dennoch galt es natürlich wieder mal, einiges zu planen und zu entscheiden, bevor das Gartenhaus tatsächlich in Angriff genommen wurde.

Zuerst natürlich: Braucht man so ein Ding überhaupt? Es macht schließlich viel Arbeit das Haus aufzubauen, es nimmt wertvollen Platz auf dem Grundstück weg, den man ansonsten zum Anpflanzen von Japanischer Wollmispel verwenden könnte, und zu allem Überfluss kostet so ein Teil auch noch Geld. Ganz ehrlich, hätten wir einen Keller, hätte ich mir die Sache zweimal überlegt, auch wenn ich beim Rauf- und Runterschleppen des Rasenmähers vermutlich regelmäßig fluchen würde wie ein Rohrspatz. Da wir aber nun ohnehin wenig Stauraum im Haus haben und ich besagten Rasenmäher noch viel weniger gern durchs Wohnzimmer schleppen wollte, fiel die Entscheidung über das »Ob« nicht schwer.

Als nächstes galt es zu überlegen, was genau es denn sein sollte. Wie fast alles gibt es auch Gartenhäuser in gefühlt tausend Formen und Materialien. Wir planten von Anfang an, das Haus direkt neben unserem zumeist ungenutzten Autostellplatz aufzubauen. Somit wussten wir schon mal, dass das Haus nicht viel tiefer als zwei Meter sein durfte. Dafür konnte es ruhig etwas in die Breite gehen. Wir hatten von vornherein mit einer quadratischen Gartenfläche geplant, sodass der komplette Raum neben dem Stellplatz – immerhin fünf Meter – ruhig fürs Gartenhäuschen draufgehen durfte.

Mit den Maßen in Kopf wollte als nächstes die Ausführung des Hauses entschieden werden. Ich persönlich denke ja gerne funktional und wäre mit einem Fertiggartenhaus aus wetterbeständigem Metall/Kunststoff/WPC zufrieden gewesen (zumindest sage ich das im Nachhinein, aber dazu später mehr), die Dame des Hauses bestand jedoch auf was Hübscherem aus Holz – schließlich schaut man durch die großen Wohnzimmerfenster direkt darauf – und irgendwie soll ich wohl auch dafür gewesen sein, obwohl ich mich daran nicht mehr erinnern kann. ;)

Holz vor an der Hütte

Nach einigem Herumgeblättere in Katalogen wurden wir schließlich fündig. In einem Prospekt von Bauhaus fanden wir das Blockbohlenhaus »Oslo« (das es in ganz ähnlicher Ausführung und unter anderem Namen auch in gefühlt jedem anderen Fachgeschäft gibt), das uns aus mehreren Gründen sofort gut gefiel: Es passt perfekt auf unser knapp bemessenes Grundstück, besitzt einen kleinen Anbau, in dem sich prima Besen, Harke und andere Geräte unterbringen lassen, die gern laut krachend umfallen, wenn man sie versehentlich streift, und zudem hat es einen kleinen Unterstand für ein Fahrrad oder ähnliches. Der Innenraum ist mit zwei mal zwei Metern gerade groß genug für Grill, Rasenmäher und diversen Kleinkram. Außerdem war das Haus zwar kein Schnäppchen, lag aber in unserem Budget.

Zwischen Kauf und Lieferung hatten wir absichtlich ein paar Wochen Wartezeit eingeplant. Schließlich wollte das Fundament noch hergestellt werden, und da wir hier absolute Laien sind, ließen wir uns tatkräftig von Jasmins Vater unterstützen. Zuvor hatten wir noch die quadratische Grundfläche des Hauses abgesteckt, ein bisschen gebuddelt und in Windeseile war dann auch ein Ringfundament gegossen. Anmerkung hierzu: Für Holzhäuser wird zumeist ein Streifen- oder Punktfundament empfohlen, ein Ring sollte es aber hoffentlich auch tun. Für den kleinen Anbau des Hauses, der nicht Teil der Grundfläche ist, haben wir vor dem Aufbau Gehwegplatten ausgelegt. Da die später nahezu komplett unter dem Anbau verschwinden, taten es dafür die günstigsten Platten aus dem Baumarkt.

Beim Montieren der Hütte hatten wir dann wiederum Hilfe von Jasmins Eltern, aber dieses Mal konnten auch wir tatkräftig mit anpacken. So ein Blockbohlenhaus kommt leider nicht als vier Wände plus Dach daher, sondern in unzähligen Einzelbrettern, die ineinandergesteckt, verschraubt und festgenagelt werden wollen. Was am Anfang noch so einfach wie das Bauen mit Lego funktionierte, wurde dank verzogener Holzbretter und anderer Hindernisse spätestens beim Dach sehr hakelig. Erschwerend kam hinzu, dass eines der Seitenteile des Hauses direkt unterm Dach in die falsche Richtung angeschrägt war, sodass wir hier mit der Handkreissäge nachhelfen mussten – so viel zur Qualitätskontrolle des Herstellers. (Laut Aufbauanleitung soll man übrigens jedes einzelne Teil vor dem Aufbau prüfen und das ganze Paket reklamieren, falls etwas nicht passt – ich möchte denjenigen sehen, der dieses Chaos aus Holz in dem Stadium überblicken kann.)

Improvisation war aber sowieso das Stichwort. Ständig musste irgendwas entgegen der Anleitung irgendwie anders befestigt und vorsichtshalber verschraubt werden, weil nichts so richtig gerade gearbeitet war. Darauf wies auch die Anleitung ausdrücklich gefühlt alle drei Sätze entschuldigend hin, denn schließlich handle es sich um Holz aka ein Naturprodukt, da könne man nicht garantieren, dass alles passgenau sei, und überhaupt müsse das alles ja so. Gefühlt alle vier Sätze dagegen wurde mahnend erwähnt, dass man beim Bau bloß genau arbeiten solle und die Winkel auf jeden Fall stimmen müssten, weil sonst bestimmt alles zusammenkrachen würde.

Den Rest … schaffen wir alleine

Die Anleitung an sich konnten wir aber ohnehin nicht richtig ernst nehmen, denn kaum hatten wir den Rohbau nach Anweisung fertig, schwieg sich das Pamphlet über die restlichen Details komplett aus. Die übrigen Beschreibungen lassen sich mit »Jetzt machen Sie den Rest fertig« ganz gut zusammenfassen. Wie genau wir das Türschloss befestigen sollten (Improvisation vom Feinsten), die Fensterchen in die Türen setzen, die Riegel am Anbau anbringen, all das ließ sich allenfalls erahnen, wurde aber nirgends beschrieben. Wer detaillierte IKEA-Anleitungen gewöhnt ist, kommt hier aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. (Hätte IKEA Gartenhäuser aus Holz im Sortiment, wir hätten unseres lieber dort gekauft.)

Wer es gerne einfach und verlässlich mag, sollte aber ohnehin nicht zum Holzhaus greifen. Holz ist ein Naturstoff, der »arbeitet«, wie man so schön sagt. Klemmende Türen und Schlösser, die von einem Tag auf den anderen nicht mehr ineinandergreifen, bleiben nicht aus, und auch wir haben damit schnell erste Erfahrungen machen dürfen. Die Tür zum Hauptraum lässt sich an guten Tagen zweimal, an anderen nur einmal abschließen; der Anbauschrank kam mit mehreren kleinen Riegelschlösschen, die dem ersten Gewittersturm nicht standhielten und sich inzwischen dank leicht verzogener Türen gar nicht mehr schließen lassen. Abhilfe schafft hier inzwischen ein einfacher Riegel mit Vorhängeschloss aus dem Baumarkt.

Wir bekennen Farbe

IMG_3121Nachdem unser Haus soweit fertig war, musste das Dach drauf und natürlich Farbe dran. Das Holzdach haben wir mit Bitumenschindeln eingedeckt. Zum Festnageln durfte ich aufs Dach klettern, woraufhin es prompt zu regnen begann. Da ich keine Lust hatte, wieder herunterzukraxeln, blieb ich eben gemütlich mit Regenschirm auf dem Dach sitzen und wartete. Leider zückte niemand die Kamera, sodass dieses Erlebnis nicht für die Nachwelt festgehalten wurde.

Das nun eigentlich schon recht fertige Gartenhaus wurde schließlich von Jasmin innen und außen grundiert, die durch die Ausdünstungen der Schimmel vorbeugenden Holzgrundierung hoffentlich nicht allzu viel Lebenserwartung eingebüßt hat. Als auch das erledigt war, konnten wir endlich Farbe ins Spiel bringen.

Ursprünglich wollten wir unser Gartenhaus in Schwedenrot erstrahlen lassen, auch blau mit weißen Akzenten hatten wir in der näheren Auswahl. Letztlich fiel unsere Wahl aber auf eine Farbe, die wir so in der Reihenhaussiedlung noch nirgendwo fanden: grün. Genauer gesagt auf sogenanntes »Behagliches Grün«, eine Vintage-Farbe der Marke Bondex, die uns im Baumarkt sehr gut gefallen hatte. Doch beim Anstrich kam dann erst mal der Schreck: Das war doch nie im Leben ein Grün! Was wir da auftrugen, hatte was von pürierten Schlümpfen. Uns gefiel das Ergebnis (nach etwas Gewöhnungszeit) dennoch und in den folgenden Tagen sogar immer besser, denn je nach Lichtstimmung wirkt unser Gartenhaus jetzt tatsächlich mal eher blau und mal blaugrün – behaglich genug jedenfalls. Wir beließen es auch bei einem Anstrich, weil wir keine Lust mehr auf einen zweiten hatten um den Vintage-Charakter der aufgetragenen Farbe zu erhalten. Für die Akzente wählten wir schließlich ein Weiß derselben Marke und fertig war der Lack.

Das Ergebnis lässt sich auf den folgenden Bildern bewundern. Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden mit unserer Wahl.

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4 Gedanken zu “Hüttengaudi

  1. Dia dhuit, Thomas.
    Bei Kellermangel empfiehlt sich in der Tat das Häuschen im Garten. Die Dinge, die es ausfüllen finden sich eh von selber ein; stehen quasi, wie beim Zauberlehrling, in der Schlange. :-)

    In früheren Zeiten beherbergte das Gartenhäuschen nicht selten auch die Werkstatt, wohin sich der Ehemann dezent zurückzuziehen pflegte. Später wurde dann das refugium sanctum daraus, wenn die Werkstatt offiziell zum Hobbyraum deklariert ward. Der Mann auf der Suche nach seiner Einsamkeit, quasi.
    Ist aber auch schon länger her.

    Holz „lebt“ eben auch in der Produktions- & der Versandphase, weswegen Überraschungen immer dräuen. Und was das Biotop „Bauanleitungen“ angeht, so habe ich mir vor Jahrzehnten angewöhnt, selbige nur noch als Vorschlag zu bewerten. Selber an-probieren bringt einen in der Regel schneller ans Ziel. Erst recht wenn die Verfasser sich gern kryptisch geben („Der Kelch mit dem Elch hat den Wein gut und rein.“).
    Worauf die Rechtsabteilung der Hersteller/Vertreiber immer grossen Wert legt, ist die juristische Auslegbarkeit. Absicherung das Alpha & Omega – sozusagen der „Catch 22“ in der Anleitungsbranche.

    Alles was nicht aus dem Material Holz gefertigt ist, gehört wohl zur Sparte „Zulieferer“ – also nicht unser Problem!

    Wäre ja mal ein neuer Farbenname „pürierter Schlumpf“! 🤣

    Doch, die gemeinschaftliche Arbeit kann sich gut & gerne sehen lasse; das angeschiefte Türschloß ist eben auch vintage…

    Wie ich sehe, hat Lili dann die Endabnahme gemacht.
    Der Rasen sieht zudem sehr gut aus!

    Freut mich wieder etwas ums Haus gelesen zu haben.

    Fall is coming!

    bonté

    • Hallo RoM,

      ausgefüllt haben wir die Hütte eigentlich schon jetzt. Neben Grill und Rasenmäher haben wir zwei Schwerlastregale reingestopft und dann so ziemlich alles darin untergebracht, was nicht unbedingt im Haus liegen muss – technische Geräte mal ausgenommen, die würde ich nicht draußen lagern, schon gar nicht ohne adäquate Alarmsicherung.

      Stimmt, diese Art Anleitungen sind tatsächlich eher ein Vorschlag. Vielleicht sollte man die gesetzlich verpflichtend kennzeichnen, quasi »Serviervorschlag« draufdrucken, wie’s auch bei Knorr und Konsorten längst Standard ist. Muss aber auch sagen, solche Pamphlete, gepaart mit der wirklich nicht gerade zufriedenstellenden Qualitätskontrolle bestätigen alle Vorurteile, die ich gegen Baumärkte habe: nämlich, dass dort noch grundsätzlich angenommen wird, die werte Kundschaft bestehe einzig aus der Nachkriegsgeneration, die ihre Häuser noch aus zerbombten Ruinen zusammengezimmert hat. Vielleicht projiziere ich aber auch einfach mein Unvermögen auf den Einzelhandel. ;) Jedenfalls möchte ich in Zeiten von Ikea und Co., wo sicher auch nicht immer alles toll ist, man aber merkt, dass das Produktmanagement sich Gedanken gemacht hat, keine zusammengeschusterten Produktanleitungen mehr haben.

      Eine Werkstatt brauche ich entsprechend ja nicht, ich bin immer sehr froh, wenn ich nichts handwerken muss und mich anderen Dingen zuwenden kann. Einige hier haben es aber genau so gemacht, wie du gesagt hast. In so manche Gartenhütte möchte man fast schon gerne einziehen. :)

      Den Rasen weiß Lili leider nicht so richtig zu schätzen. Irgendwie scheint sie die Fläche für grünes Meer oder so zu halten, jedenfalls setzt sie, wenn sich vermeiden lässt, keinen Fuß aufs Grün. :D

      Viele Grüße
      Thomas

      • …Madame Lili ist eben waschecht die Wohn- & Hofkatze. „Wilde Natur kommt mir hier nicht ins Haus!“

        bonté

  2. Pingback: Kies me, baby! | aus der reihe

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