(Endlich) Alle Matten am Zaun

Als wir unser neues Haus bezogen, war erst mal alles ganz abenteuerlich, besonders draußen. Statt auf einen Garten zu gucken, genossen wir den Blick auf ein zerklüftetes Mondlandschaftsviereck, und um die neuen Nachbarn zu besuchen, mussten wir eigentlich nur über die Terrassen hüpfen wie Frösche über Seerosenblätter. Was sich bis weit in den Frühling hinein ein bisschen anfühlte wie ein ausgedehntes Ferienlager, konnte – und sollte – natürlich nicht immer so bleiben. Und nachdem wir endlich unseren Garten mit Mutterboden aufgefüllt hatten, musste schließlich auch ein Zaun her. Nicht, weil wir unsere Nachbarn plötzlich nicht mehr mochten, sondern um das Revier abzustecken, auch um mal etwas draußen stehen lassen zu können, ohne Angst zu haben, dass einem bei Nacht der halbe außen gelagerte Hausrat geklaut wird, und natürlich, um auch außerhalb der eigenen vier Wände ein wenig Privatsphäre zu genießen.

Wer einen Zaun kaufen möchte, der hat – wie eigentlich bei allem, was das Eigenheim angeht – die Qual der Wahl: Soll mittels geschlossener Trennwände ein ganzes Fort entstehen? Darf es ein Holzzaun sein oder doch lieber was Gemauertes, vielleicht etwas aus Gusseisen, gemacht für die Ewigkeit, oder etwa doch »nur« die altbekannte Stabmatte, die immer ein bisschen nach öffentlicher Grünanlage aussieht? Um es kurz zu machen: Die Entscheidung hat uns am Ende der schnöde Mammon abgenommen, denn selbst die günstigste Lösung – nämlich ein Doppelstabmattenzaun mit entsprechenden Toren – kostete für uns mit Aufbau je nach Anbieter zwischen 2.800 und 3.000 Euro. Wir hatten auch Angebote von polnischen Zaunbaufirmen (die es hier offenbar wie Sand am Meer gibt) mit einbezogen, die ja meist etwas günstiger sind, uns letztlich aber für einen Zaun aus deutscher Fertigung und mit Aufbau von einem, nun ja, deutschen Zaunbauer entschieden.

Ein Treffen mit dem Zaunkönig

Und nun muss ich tief durchatmen … Der Grundstein unserer Entscheidung war ein Treffen in geselliger Runde mit den Nachbarn, an dem auch unser Zaunbauer teilnahm, der genau genommen ein Garten- und Landschaftsbauer ist. Eigentlich ging es dabei um die Lieferung von Mutterboden, aber weil’s gerade so gut lief, wurde eben auch der Aufbau von Zäunen angeboten. Die Entscheidung war damit für uns sowie die meisten anderen der Nachbarn hier im Block eigentlich schon gefällt. Besagter Herr erklärte uns nämlich recht versiert, wie der Aufbau ablaufen und was er alles Tolles machen würde und das klang zusammengenommen so schön geschmeidig und fluffig und überzeugend, was sollte da schon schiefgehen?

Nun, so ziemlich alles, denn wer Hausbesitzer mit schönen Worten einlullen kann, der kann nicht unbedingt auch akkurat Grundstücke einzäunen. Ich könnte ein Drama in fünf Akten über unseren beschwerlichen Weg zum eigenen Zaun schreiben, aber ich will mal versuchen, mich einigermaßen kurz und sachlich zu fassen. Nachdem wir jedenfalls unsere Entscheidung getroffen hatten, fing der Ärger schon in der Angebotsphase an: Ständig stimmten irgendwelche Details nicht, wir mussten wirklich alles prüfen und immer wieder Korrekturen vornehmen lassen. Als nächstes wurden Termine zum Maßnehmen der Grundstücke nicht eingehalten, bis am Ende gar nicht mehr Maß genommen wurde, und als es dann irgendwann mal mit dem tatsächlichen Aufbau losgehen sollte, wurde es erst so richtig finster im Gartenbauland.

Bis zur Unendlichkeit und noch viel, viel weiter …

Am versprochenen Tag des Zaunaufbaus – ungefähr einen halben Monat nach dem eigentlich mal anvisierten Termin übrigens – kam unser Gartenbauer mit seinem Laster und einem (!) Arbeiter. Geliefert wurden ein paar Pfosten, ein paar Doppelstabmatten und ein paar Tore. Wer hier im Block Glück hatte, würde also vielleicht bald einen Zaun besitzen, wer Pech hatte, würde länger warten müssen. Letztlich hatten wir … Pech. Und zwar alle. Das lag aber eher daran, dass innerhalb eines Tages im Schneckentempo gerade mal ein paar Löcher für die Pfosten gebuddelt wurden. Witzigerweise hatte ein Reihenendhaus unseres Blocks einen anderen Zaunbauer gewählt, der am selben Tag mit dem Aufbau startete. Vier oder fünf Mann legten dort zeitgleich mit unserem Ein-Mann-Team los, buddelten und bauten, was das Zeug hielt und – Bäm! – am Abend stand der komplette Zaun inklusive der Tore. Und bei uns? Na ja, ein paar Löcher halt.

Dann passierte längere Zeit über nichts. Grund eins: Der Gartenbauer hatte eigentlich gar keine eigenen Monteure, bzw. zumindest keine festangestellten, sondern immer nur solche, die er per Telefon dazu überredete, ein paar Tage für ihn tätig zu werden. Grund zwei: Die ach so tollen Stabmatten und Pfosten aus deutscher Fabrikation waren nicht mehr lieferbar. Die Dinger scheinen zu entsprechender Saison tatsächlich ähnlich begehrt und vergriffen zu sein wie Bananen in der DDR. Dieses ganze Spielchen ging noch eine ganze Weile weiter. Mal fehlten wieder Teile, mal gingen die Monteure auf dem Weg zur Arbeit plötzlich verloren. Als Kirsche auf der Torte des Grauens kam hinzu, dass sich auf einmal höhere Preise für Mehrarbeiten ergaben, die eigentlich von vornherein klar gewesen waren bzw. hätten sein sollen, wenn der Gartenbauer bei einem seiner Besuche die Augen aufgemacht hätte. Statt eines Zauns schoss so erst mal eine ganze Weile lang nur der Unmut aller beteiligten Nachbarn in ungeahnte Höhen und nicht nur einmal waren wir kurz davor, den selbsternannten Gartenbauprofi mit der Mistgabel vom Hof zu jagen. Wenn wir denn eine Mistgabel gehabt hätten. Unsere Geduld war jedenfalls definitiv am Ende und das ganze Unterfangen schien sich bis zur Unendlichkeit auszudehnen.

Doch ach, letzten Endes rissen wir uns zusammen und seit Mitte Juni – insgesamt etwa einen Monat später als ursprünglich mal versprochen – steht, oh Wunder, ein doch zumindest augenscheinlich fachgerecht montierter Zaun zwischen unseren Grundstücken. Dass wir in der anschließend zu begleichenden Rechnung Fehler fanden, muss ich nicht extra erwähnen, oder?

Zahlen, Fakten, Bilder

So, nachdem unser Weg der Schmerzen denn nun auch beschrieben ist, noch ein paar Details zum Zaun an sich: Wir haben uns für einen anthrazitfarbenen Doppelstabmattenzaun entschieden. Doppelstabmatten haben zwar so viel Sexappeal wie ein Sack Zwiebeln, dafür sind sie vergleichsweise günstig und halten lange – hoffentlich. Im Garten hinter dem Haus hat unser Zaun eine Höhe von 1,60 m, im Vorgarten dagegen nur einen Meter. Dem Vorgarten haben wir zudem eine kleine Pforte spendiert, sodass dieser komplett geschlossen ist. Hinterm Haus haben wir das Grundstück ebenfalls komplett umschlossen, also auch den von Bonava errichten Autostellplatz mit eingefasst. Wir besitzen kein Auto und da wir auf der Stellfläche erstens nicht ständig ungefragt Fremdparker haben möchten (Die Parkplatzsituation hier ist ein Graus!) und die Fläche zweitens für uns irgendwie nutzbar bleiben soll – und sei es nur als dekadent großer Fahrradabstellplatz –, haben wir uns dazu entschieden, die Stellfläche mit einem Doppelflügeltor zu versehen, statt sie offen zu lassen. Eine sehr gute Entscheidung, wie wir finden, auch wenn wir bisher nicht wissen, ob bei (nach innen) geöffneten Torflügeln auch wirklich noch ein Auto auf unser Grundstück passt – was uns aus den genannten Gründen aber auch erst einmal sehr egal ist.

Last but not least der Preis: Wir landeten für alles zusammen bei ziemlich genau 3.000 Euro. Kein Pappenstiel, schon klar. Wer sein Budget fürs Eigenheim plant, sollte das Zaunthema auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, viel günstiger wird’s nämlich nicht, solange man nicht selbst Hand anlegen möchte. Neben Material und Aufbau waren in unserem Fall übrigens auch der Zement und die Kanthölzer zum Stützen des frisch errichteten Zauns mit im Preis inbegriffen, was nicht immer der Fall ist. Je nach Vereinbarung darf der Zement auch schon mal selbst herangekarrt werden, hier sollte man also die Augen offenhalten bei der Zaunbauerwahl.

Zum Abschluss, wie immer, noch ein paar versöhnliche Bilder:

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6 Gedanken zu “(Endlich) Alle Matten am Zaun

  1. Yum tuv, Thomas.
    Die Stabmatte ist wohl der „Jägerzaun“ unserer Tage; obschon hier nicht mehr Generationen von Kindern/Rentnern werden streichen müssen. Die Stabmatte ist da pflegeleicht – solide, nicht zu vergessen!
    Du kannst Dich also wie hinterm Limes fühlen (zu seinen besseren Tagen!).

    Eigentlich sind die „Zaunbauer“ gewerblich ein eigenes Völkchen, weswegen das All-in-One-GaLaBauer mehr nebenher machen; muss dann nicht grundsätzlich quer laufen, aber… 🤔
    …wahlweise Material oder Mannschaften ausfindig machen zu müssen, lässt Vertrauenswürdigkeiten nicht sonderlich spriessen. „Komme ich morgen nicht, komme ich irgendwann, vielleicht!“
    Die Mitgliedschaft eines Betriebs im GaLaBau-Verband wäre da ein solides Qualitätssiegel.

    Die Entsorgungstonnen, immerhin, stehen stramm ausgerichtet Spalier… 😎

    Dem Sturzbach-Regen letztens gut entkommen!?

    bonté

    • Hallo RoM,

      der Hinweis auf den GaLaBau-Verband wäre vorher in der Tat wohl hilfreich gewesen. Na ja, wir haben gestern schon festgestellt, dass die ganze Zaunaktion sich im Nachhinein schon gar nicht mehr so schlimm anfühlt. Wie es eigentlich immer ist mit schlimmen Erlebnissen … :D

      Die Tonnen müssen leider so stehen, weil der Wind hier nicht von schlechten Eltern ist. Würden wir sie drehen, was praktischer zwecks Öffnen der Deckel wäre, dann würden sie ruckzuck umliegen (und dabei eventuell noch ein gerade erst gepflanztes Bäumchen erschlagen). Da müssen wir uns auch noch was einfallen lassen.

      Den Regen haben wir hier gut überstanden. Zwar sah’s in den Vorgärten ein wenig wie in »Waterworld« aus, aber den Pflanzen schien das im Nachhinein gut gefallen zu haben. Zudem wohnen wir hier auf einem leichten Hügel, sodass wir ziemlich glimpflich davonkamen – ganz im Gegensatz zu den Innenstadtberlinern, die einmal mehr abgesoffen sind (vermutlich auch abermals der Keller unserer vorherigen Wohnung).

      Viele Grüße
      Thomas

      • …immerhin stehen Zaun & Tore gerade, im Lot & Wasser!
        Für die Tonnen würde sich ein Windfang ja anbieten, der die Menagerie auch optisch kaschieren könnte.
        Freut mich zu hören, daß Euch Kevin Costner dann doch nicht auf seinem Katamaran begegnet ist… 🐳

        Deatail am Rande – für den August steht eine neue Scheibe von Duke Spirit an:

        Ansonsten noch ein Indi-Filmtip über Not-Trumps-Amerika, gekleidet in einen scheinbaren Thriller. ‚Wind River‘:

        bonté

      • Für die Tonnen werden wir vermutlich eher eine Art Tonnenfang vorsehen, vielleicht meinst du das ja aber auch mit Windfang? Einige hier haben sich eine Box für die Tonnen vor die Tür gestellt, allerdings haben wir gesehen, dass deren Preise schnell in vierstelligen Bereich ankommen, und wirklich schön sind die Dinger letztlich dann – finde ich zumindest – auch nicht.

        Ah, das Album kommt im August, oder? Bin ich gespannt. Der bisherige Output klang ja jeweils sehr anders. Der Film schaut auch sehr interessant aus. Hat mich vom Trailer her eingangs ein bisschen an »Insomnia« erinnert, wird aber wohl sehr anders sein? Schauen wir mal. :) (Auch schauen wir mal, ob ich es in diesem Leben noch mal ins Kino schaffe, wo hier »draußen« doch leider niemand eines eröffnen mag.) Na ja, aber zumindest ab morgen heißt es dann erst mal, Westeros, ich komme. :D

        Viele Grüße
        Thomas

      • …bei den Garagen für die Tonnen gibt es nach oben hin ordentlich viel Luft; so eine simple Holzgitterkonstruktion zum festschrauben tut es allerdings auch. Und wirkt nicht wie der Sarkophag im Vorgarten.

        Jep, Mitte August!
        Tatsächlich habe ich letztens The Duke Spirit im hiesigen Radio gehört. Da merkte ich richtiggehend auf.

        Bei ‚Wind River‘ geht es auch um das Verhältnis zwischen US-Behörden, der Selbstverwaltung der Reservate & das Verständnis der Ureinwohner selbst. Oder wie sich Frauen & Männer selbst & untereinander sehen, definieren, einschätzen. Der Thriller-Plot ist quasi nur die Überdecke.

        Streaming scheint bei Eurer Lage tatsächlich die einzig brauchbare Lösung zu sein – fast wie auf dem weiten Land. 😊
        Demnach ‚Rogue One‘ noch immer nicht gesehen?!

        Mit der berüchtigten 13 gibt es bei „Doctor Who“ tatsächlich den ersten weiblichen Doctor!
        Ich höre das Grummeln im Kellergewölbe bereits…“Hilfe! Eine Frau! Ich bin geistig völlig desorientiert!“.

        Ansonsten: „Winter is here!“

        bonté

  2. Pingback: Kies me, baby! | aus der reihe

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