Es werde Grün!

Solange Winter war, fühlte sich das Wohnen im neuen Haus ein wenig an, als wären wir einfach in eine größere Wohnung gezogen: mehr Zimmer, zwei Treppen und ein bisschen mehr Bewegung, weil wir ständig von unten nach oben und zurück laufen müssen. Doch dann begann der Frühling und unter dem Schnee kam das zum Vorschein, was mal unser Garten werden sollte … Und seitdem kann zumindest ich plötzlich ganz gut verstehen, weshalb Leute sich lieber Wohnungen statt Häuser kaufen.

Es steckt nämlich so verdammt viel mehr Arbeit darin, selbst aus ein wenig Reihenmittelhausbrachland, das nicht viel umfangreicher ist als das Liegestuhlhandtuch eines deutschen Mallorca-Urlaubers, einen Garten zu bauen, in dem man sich wohlfühlen kann. Hätte ich meinen Eltern früher im Garten geholfen, dann hätte ich es erahnen können. Hab ich aber nicht. Und so werden wir in den nächsten Beiträgen ausführlich darüber jammern berichten, was sich in Sachen Gartenarbeit bei uns schon getan bzw. nicht getan hat. Den Anfang soll unser Rasen machen, einfach weil der Eindruck noch so frisch ist, sind wir doch erst heute damit fertig geworden.

Von der Rolle

Schon vor Monaten hatten wir hin und her überlegt: Rollrasen verlegen (lassen) oder doch lieber selbst säen, warten und dem Gras beim Wachsen zuschauen? Vielleicht hatten wir ja schon zu lange ungeduldig aufs Haus gewartet, jedenfalls lief es am Ende auf Rollrasen hinaus. Die nächste Frage, die sich stellte: Sollten wir das Zeug selbst ausrollen oder lieber einen Experten ranlassen? Ursprünglich hatten wir Letzteres geplant, aber nachdem wir bereits (zu) viel Geld für alles Mögliche ausgegeben haben – und weil das Verlegen von Rollrasen laut YouTube und Co. gar nicht so schwierig sein sollte (und das Internet lügt bekanntlich niemals) –, entschieden wir uns, die Rollrasenbahnen selbst zu verlegen. Leider nun erst im Juni statt bereits im April, was daran liegt, dass wir ursprünglich zuerst unseren Gartenzaun fertig haben wollten, damit nicht im frischen Rasen herumgebuddelt wird, doch dies ist eine andere Geschichte voller zerstörter Hoffnungen gebeutelter Hausbesitzer (und damit auch ein demnächst folgender Beitrag ;) ).

So ging es dann eben erst gestern ans Verlegen. Zu unchristlicher Uhrzeit harkten wir die Fläche, auf welcher der Rasen sprießen sollte, noch einmal ordentlich durch, um die letzten Unebenheiten zu beseitigen. Hinterher kam ein Starterdünger drauf, der ein wenig an eine verschüttete Packung Waschpulver erinnerte und anschließend mit der Harke in den Boden eingearbeitet wurde, bevor dann alles mit der monströsen Rasenwalze festgedrückt wurde.

Der Rasen wurde uns pünktlich um 8 Uhr auf mehreren Paletten geliefert. Für eine quadratische Fläche von ca. 42 qm haben wir beim Rollrasen-Profi ungefähr 210 Euro bezahlt, wobei wir ca. fünf Prozent mehr als eigentlich benötigt bestellt hatten, da eben auch immer ein paar weniger brauchbare Bahnen dabei sein könnten. Das klingt zuerst einmal gar nicht so günstig, ist es im Vergleich aber. Auf jeden Fall lohnt es sich, verschiedene Angebote zu vergleichen. Insgesamt hatten wir Rasen für drei aneinanderliegende Reihenmittelhausgrundstücke geordert. Der sehr freundliche Lieferant lud die Ware ab, erklärte kurz, wie das Zeug richtig verlegt wird, und dann konnte es auch schon losgehen.

Krafttraining mit Grün

Schwer war das Verlegen letztlich schon, allerdings aus anderen Gründen: Ca. 15 Kilo dürfte eine Rasenrolle gewogen haben und die beiden Nachbarn und ich haben davon so einige Bahnen auf unsere drei Grundstücken geschleppt.

Während das Herumtragen der Rollen ganz schön auf die Arme und den Rücken ging, war das Verlegen des Rollrasens an sich gar nicht so kompliziert und klappte Hand in Hand mit den Nachbarn ziemlich gut. Die Bahnen werden einfach auf Stoß aneinandergelegt, sodass sich nichts überlappt, aber eben auch keine Lücken entstehen. Sichtbare »Nahtstellen« zwischen den Bahnen sollen sich später verwachsen. Na hoffen wir mal, dass das stimmt. Wichtig ist auch, dass nebeneinanderliegende Bahnen versetzt verlegt werden, sodass keine »Kreuzfugen« wie beim Verlegen von Fliesen entstehen. An den Grundstücksgrenzen, Terrassen und Autostellflächen überlappende Rasenbahnen schnitten wir mittels Sägemesser und Gartenschere ab. Vor allem Letzteres funktionierte überraschend gut.

Obwohl wir während der Verlegeaktion durch mehrere üppige Kaffeepausen den Koffeinspiegel bis unter den Haaransatz trieben, kamen wir bis mittags durch: Die Knochen schmerzten, die Wirbelsäule flehte um Gnade, die wunden Finger brannten, doch plötzlich war alles grün, was kurz zuvor noch nach akkurat geharkter Mondlandschaft ausgesehen hatte. Glücklich und zufrieden gingen wir über zum nächsten Kaffee, dann schnappten wir uns noch einmal die Rasenwalze und gingen langsam auf dem neu verlegten Grün auf und ab, um die frischen Bahnen mit dem Mutterboden zu verbinden. Das fühlt sich übrigens ein bisschen so an, als würde man Teig ausrollen.

Wasser marsch!

Und als auch das erledigt war, ging es ans Wässern. So ein frisch verlegter Rollrasen verschlingt Unmengen an Wasser: Ratgeber im Internet (wie gesagt, es lügt schließlich nie) empfehlen bis zu 20 Liter – pro Quadratmeter! Die Grassode, also der Boden unterhalb des Rasens, soll bis zu 7 cm tief nass sein, damit der frische Rasen seine Wurzeln möglichst tief ins Erdreich treibt und so weniger anfällig gegen Trockenheit wird.

Der Wasserzähler drehte dabei jedenfalls kräftig am Rad und wenn die nächste Wasserrechnung eintrudelt, werde ich es ihm vermutlich nachtun. Gegebenenfalls rüsten wir später noch einen Außenwasserzähler nach, damit wir uns wenigstens die anfallenden Abwassergebühren sparen. Hier werden wir aber erst einmal schauen, wie viel Wasser wir tatsächlich verplempern, denn so ein Wasserzähler muss alle paar Jahre getauscht oder geeicht werden und das kostet neben der Installation desselben eben auch ein bisschen was bzw. deutlich mehr als die Abwassergebühren für bspw. 1000 Liter Abwasser. Und dem Rasen werden schließlich nicht das ganze Jahr über solche Unmengen an Wasser in den Schlund gekippt, sondern nur während der ersten zwei Wochen nach dem Ausrollen. Anschließend soll Normalbetrieb herrschen. Erst dann darf bzw. muss auch das erste Mal gemäht werden, denn ein zu langer Rasen wird unten schnell gelb, während ein zu kurzer in der Sonne leicht verbrennt.

Derweil drücken wir natürlich kräftig die wunden Daumen und hoffen, dass der Rasen sich auf unserem Boden wohlfühlt und gut anwächst. Das Unkraut tat das jedenfalls bisher auch ganz gut ohne unser Zutun. Und weil’s trotz der Anstrengungen ein sehr spaßiger Tag war, beenden wir diesen Beitrag traditionell mit einigen Fotos (für die neben zu viel Kaffee zum Glück auch noch Zeit war).

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5 Gedanken zu “Es werde Grün!

  1. Hallo Thomas, super Beitrag und vielen Dank für das Foto in grün von oben. Nun haben wir unseren inneren Frieden weil wir bisher keinen Überblick hatten wie groß nun die Grünfläche im Garten werden wird. Sieht super aus und ist doch mehr als gedacht. Wie groß ist eure Terrasse? Liebe Grüße nach drüben sendet Haus Nummer 30.

    • Hallo. :) Unsere Terrasse hat die Standardgrösse von ungefähr drei mal vier Metern. Wir haben da nichts geändert.

      Und auch ein kleiner Garten macht verdammt viel Arbeit, wie wir ja auch hier geschrieben haben. ;) Ich bin grad ganz froh, dass wir nicht noch mehr Platz haben.

      Viele Grüße
      Thomas

  2. Sali, Thomas.
    Sieht doch ausgesprochen fesch aus; wenn’s auch „nur“ eine Parzelle sein mag – aber lebendiges Grün beruhigt das Auge. Rollrasen ist auch für die kleinere Fläche gute Wahl, weil der Erfolg sofort sichtbar ist & der Flugsamen von Unkräutern es schwerer hat zu landen.
    Ebenerdig & rechteckig in der Form sind quasi ideale Voraussetzungen für’s erste Mal. Und die Arbeit sieht gut aus. Eine gute Entscheidung, zu warten bis der Zaun fertig war, weil dabei dann doch immer einige Späne gehobelt werden; bei Rollrasen echt schade!
    Was Du zur Verlegearbeit an sich geschrieben hast kommt professionell rüber. Wichtig bleibt auch noch, nach jeder durchgehenden Reihe kurz die Linientreue zu prüfen, um Bäuche zu vermeiden.

    Das ordentliche Wässern des Rasens, in der ersten Phase, bleibt das A&O des Werdegangs. Aber auch im Normalbetrieb lohnt sich das Achten auf die Ränder entlang der geplasterten Flächen – hier trocknet der Rasen stets schneller aus.
    Im Sommer empfiehlt es sich mit dem Schnitt nicht unter 3cm zu gehen. Jetzt beim Neu-Rasen empfehlen sich 3,5 bis 4 cm. Ist quasi sein Sonnenschirm an den heißen Tagen.

    Wie ich sehe, ein Kirschlorbeer im Rasen. :-)
    Habt Ihr schon Vorstellungen über weitere Bepflanzungen!?

    bonté

    • Hallo RoM,

      der vermeintliche Kirschlorbeer entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Weide im Topf, die lediglich einen hässlichen Sickerringzugang (Wie heißen diese Minigullis eigentlich?) bedeckt. Macht sich auf dem Foto aber wirklich gut. 😄

      Vielen Dank für die Tipps. So in der Art hat es uns der nette Herr von der Rollrasenfirma auch erklärt. Der neue Rasen wächst derweil fleißig vor sich hin. Einige Tage noch, dann darf das erste Mal leicht gemäht werden. Der Rasenmäher in rot-gelb trudelte just heute bei uns ein. 😊

      In der Hoffnung, dass weiterhin alles gut wächst, werden wir demnächst dann sicher noch einen Folgepost nachschieben. Vielleicht ist dann auch bereits mehr Bepflanzung zeigbar, für die allein Jasmin zuständig ist. Ich bin eher für die Wasserlogistik da, schätze ich. 😉

      Viele Grüße
      Thomas

  3. Pingback: Kies me, baby! | aus der reihe

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