Kitchen Stories

Fast ein Monat ist ins Land gezogen seit unserem Einzug. Bevor der Schleier des Vergessens sich gemütlich auf die Erinnerung an die stressige Umzugswoche fläzt, soll doch unbedingt noch davon berichtet werden, was sonst so geschah. Ausstehend sind der Küchenaufbau und natürlich der Umzug an sich. Weil ich vorm Schreiben ganz gern eine Tasse Kaffee aus der Küche hole, fangen wir mit selbiger an.

Planung vs. Realität – mal wieder …

Laut Bonava dürfen die Küchenbauer normalerweise erst ins Haus, nachdem die Übergabe erfolgt ist. Da bei uns am Ende alles kreuz und quer lief und unsere Planung letztlich verknäuelter wirkte als eine einst sorgfältig zusammengelegte Lichterkette, die man nach einem Jahr aus der Schublade zieht, war es halt umgekehrt: Bevor auch nur irgendwas übergeben war, wurden im Haus schon fleißig Küchenschränke aufgebaut,  Arbeitsplattenteile geschleppt und Bretter zurechtgesägt, als würden morgen der Welt die Sägen ausgehen.

Aber fangen wir doch vorn an: Am 15. Dezember fanden wir uns pünktlich morgens um 7 Uhr vor unserem künftigen Haus ein und warteten brav auf unsere Ikea-Küche und auf die armen Schweine, die sie hoffentlich zusammenbauen würden. Und so warteten wir eben. Und warteten … und warteten … und warteten.

Zwischenzeitlich schlenderte der Polier vorbei, guckte uns verdutzt an und fragte nur: »Na, noch keine Küche da?« Nein, es war leider noch keine Küche da. Dafür war es so richtig bitterkalt, sodass wir erst mal in die nahe Bäckerei flüchteten, um uns mit Gebäck und Heißgetränk vor dem Kältetod zu bewahren.

Knapp anderthalb Stunden nach der vereinbarten Lieferzeit waren dann immerhin die Küchenbauer da,  juhu! Gut, andersherum wäre es besser gewesen, aber wir waren ja schon dran gewöhnt, dass alles verkehrtherum lief. So standen wir nun alle gemeinsam untätig vor dem Haus.

Wenig später hielt dann tatsächlich der Transporter vor der Tür und die fleißigen Spediteure begannen, eine Fantastillion Kartons auszuladen. Wer schon mal ein Möbelstück bei Ikea gekauft hat, weiß, dass man eigentlich gar nichts vormontiert bekommt, und da zeigt das schwedische Einrichtungshaus auch bei Küchen keine Gnade: Jeder einzelne Unterschrank kommt in Form von Einzelbrettern daher und ich würde glatt wetten, dass auch der eine oder andere Inbusschlüssel beilag, um die Dinger mittels Kurbelei zusammenzubasteln. Kompliment an die Spediteure: Während wir uns mit einem künftigen Nachbarn unterhielten, der zufällig vorbeikam, hatten sie die komplette Küche nach gerade mal knapp einer Viertelstunde ausgeladen und ins Haus geschleppt. Wahnsinn!

Ganz nett war dabei übrigens die Arbeitsteilung der drei polnischen Spediteure: Zwei waren fürs Schleppen der Ware zuständig, der dritte sprach Deutsch und übernahm das Reden. ;)

Wer will fleißige Handwerker seh’n?

Parallel zur Bezahlung der Lieferung konnte dann auch schon der Aufbau beginnen. Auf Anraten Bonavas bat ich die Küchenmonteure vorab noch, bitte nicht im Haus zu sägen, worauf diese mich anschauten, als hätte ich ihnen gesagt, sie sollten doch bitte auf dem Mars ihr Werk verrichten. Och, sie würden das doch immer so machen und hinterher ja auch noch mal durchsaugen, meinten sie nur. Na dann … So viel jedenfalls dazu. Bonava sollte sich später am Tage zur Übergabe darüber freuen, dass das Erdgeschoss wohlige Sägewerkatmosphäre versprühte.

Aber gut, erschöpft und müde vom Warten in der sibirischen Kälte, dem frühen Aufstehen überhaupt und allem, was einem an solchen Tagen durch den Kopf geht, machten wir uns erst einmal wieder auf die steifgefrorenen Socken, um uns in unserer  Noch-Wohnung aufzuwärmen (bei kuscheligen 19 Grad dank schlecht funktionierender Heizung) und die eine oder andere Mütze Schlaf nachzuholen. Um 15 Uhr sollte es schließlich mit der Übergabe des Hauses weitergehen, über die wir ja bereits im letzten Post berichtet haben.

Die Küchenmonteure ackerten den Tag über fleißig vor sich hin und das würden sie auch am nächsten Tag noch tun. Wussten wir aber bereits, schließlich wurden wir schon frühmorgens von den Monteuren mit »Ach, Sie sind die mit der Zweitagesküche« begrüßt.

Immerhin: Wenn man den drei Herren eine Weile beim Ackern zuschaute, wurde man bestens unterhalten. Der Küchenaufbau hätte auch gut und gern als Kabarettprogramm durchgehen können: Aus dem mitgebrachten Baustellenradio lief laut Musik, die vom »Chefmonteur« ebenso laut und mit absichtlich falschen Texten mitgesungen wurde, wenn er nicht gerade darüber wetterte, was ihm an Ikea-Küchen und überhaupt an allem, was man sich vorstellen kann, nicht gefällt. Sein Kollege breitete derweil lang und breit seine Verwandtschaftsverhältnisse aus und auf die Anekdote, dass seine Stiefgroßmutter (oder wer auch immer) reich war und quasi den Hertha BSC besaß, wurde er gefragt, ob er nicht zufällig auch noch mit Uli Hoeneß verwandt sei. Garniert wurden die Unterhaltungen von allerhand strickjackigem Männerhumor und ständigen Einwürfen darüber, dass jetzt aber irgendein Teil fehlte, irgendwas falsch gemessen war oder sonst wie nicht zusammenpasste. Meine ohnehin bereits überstrapazierten Nerven waren so natürlich stets kurz vorm Zerreißen.

Aber wenn mal was nicht ging, wurde eben improvisiert, bis es doch ging, und so wuchs nach und nach eine Küche, die zum Schluss ziemlich genau so aussah wie die 3D-Grafik, die wir in vielen Iterationen mit dem eigenwilligen Ikea-Küchenplaner zusammengebastelt hatten – als wäre man in ein Computerspiel hineingehüpft. Ein seltsames, aber auch sehr schönes Gefühl, als wir dann zum ersten Mal in der komplett fertigen Küche standen und die vielen Schränke und Geräte live erkunden konnten.

Schraubst du noch oder wohnst du schon?

Zwar sind noch einige Baustellen vorhanden – so müssen wir die Fensterbank leider noch selbst verkleiden, weil Ikea keine adäquate Lösung dafür parat hatte, und auch ein Wandpanel, das die Wand hinterm Herd bis zu unserer Tresenlösung verdeckt, fehlt noch aus denselben Gründen –, aber davon abgesehen sind wir bisher mit dem Ergebnis unserer Planung wahnsinnig zufrieden. Alle Schränke sind entweder komplett mit Schubladen bestückt oder ausziehbar, sodass wir nirgends hineinkriechen müssen – der in ferner Zukunft mal schmerzende Rücken wird’s uns hoffentlich danken. Auch der Landhausstil entspricht voll und ganz dem, was wir uns vorgestellt hatten, und mit den Elektrogeräten (vor allem dem Induktionsherd) hatten wir schon viel Freude (unsere Katze eher weniger, denn je nach Ausrichtung der Töpfe entstehen schon mal hochfrequente, für uns Menschen kaum wahrnehmbare Pfeiftöne, die sie ganz schnell das Weite suchen lassen). Kochsessions machen jetzt jedenfalls tausendmal mehr Spaß als je zuvor und so soll es in der eigenen Traumküche ja schließlich auch sein.

Last but not least noch ein paar Fotos. Hier sind wir dieses Mal in Sachen Datenvolumen lieber etwas sparsam, denn noch haben wir kein stationäres Internet und bis dahin gilt frei nach Monty Python: Every byte is sacred. Every byte is great. If a byte is wasted, God gets quite irate.

 

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Ein Gedanke zu “Kitchen Stories

  1. Konban wa, Thomas san.
    Offensichtlich eine winterliche Freiluft-Aufführung von „Warten auf Godot“ – in einer postmodernen Inszenierung wohlgemerkt.
    Die auftretenden Personen:
    – Ihr als die Verkörperung von Estragon.
    – Die Personalunion der Handwerker als Wladimir.
    – Wie für den Part des Landbesitzers Pozzo – der Polier.
    Postmodernes Element wäre dann, dass die Küche (somit Godot) dann tatsächlich auftaucht. Die Warterei hat sich gelohnt!

    Improvisation ist der aufspringende Airbag, wann immer praxisfremde Planung auf die Realität trifft.(*)
    Aber die Küche kommt tatsächlich wie Landhausstil daher. Ton in Ton getroffen, die Arbeitsplatte & der Boden. Tres chic!

    Um das Ende mit dem Anfang zu verknüpfen – möglichweise enttarnt sich noch der Net-Anschluss als der „wahre Godot“. Was aus der Inszenierung des Stücks doch ein post postmodernes machen würde.
    Das Publikum hofft dagegen!

    bonte

    (*)sagen sich die alten Kohlköpfe auf dem Acker

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