Zeitnot ist der Planung Tod

Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben, so auch vielleicht die Baustelle nicht vor ihrem Abschluss. Bisher lief bei uns alles sehr reibungslos ab, hier und da gab es zwar auch mal eine kleinere Beanstandung, aber insgesamt nichts Kritisches, sodass wir die Begehungen immer einem guten Gefühl abschließen konnten.

Wie gesagt: Bisher! Denn dann kam die finale Begehung vor der Abnahme (die auch gern mal Vorabnahme genannt wird, allerdings keine solche ist, da nichts abgenommen wird) und – zack – das war es mit dem guten Gefühl.

Das Desaster fing eigentlich schon an, als der Bauleiter uns begrüßte und sogleich mit der schlechten Nachricht ins Haus fiel – was man schon fast wörtlich nehmen könnte. »Wir sind noch gar nicht fertig«, sagte er und es wirkte immerhin, als sei ihm das wirklich unangenehm. Das große Problem in Kürze: Bonava ist in Zeitnot und schafft es nicht, den vereinbarten Abnahmetermin einzuhalten. Da wir, wie zuletzt berichtet, recht eng getaktete Termine für unseren Umzug geplant hatten, rutschte mir – und Jasmin wohl genauso – erst mal das Herz in die Hose. Mein erster Gedanke: Wenn ich jetzt, kurz vorm Jahresende, versuche, dem Umzugsunternehmen einen neuen Termin vorzuschlagen, dann können wir Schränke und Kisten wohl gleich allein schleppen.

Nun ja, Verzug hin oder her, die Begehung des Hauses, oder viel mehr der Immer-noch-Baustelle, wie sich herausstellen sollte, fand dann trotzdem statt. Das Gute vorab: Der Fliesenleger hat soweit alles richtig gemacht. Zwar weisen die Bodenfliesen an der einen oder anderen Stelle eine leichte Kante am Rand auf, aber das lässt sich bei der Form der Fliesen wohl kaum vermeiden und war laut Sachverständigem wohl noch im Rahmen. Fiel auch nur deswegen besonders auf, weil ein Baustrahler genau auf die Fliesen gerichtet war. Auch das Laminat im Erdgeschoss sah soweit sehr hübsch aus, war aber noch nicht komplett verlegt.

In den Obergeschossen ging es dann allerdings los. Mir wäre es vielleicht gar nicht aufgefallen, doch Jasmin merkte recht schnell: Hier wurde – abgesehen vom Schlafzimmer – überall das falsche Laminat verlegt: das richtige Modell zwar, aber in der Farbe »Kalkeiche grau«, was das Haus nun insgesamt etwas sehr … nun ja, grau wirken ließ. Im Schlafzimmer ist das gewollt, hier finden wir’s sehr schön, weil das eine helle, ruhige Farbe ist. Aber für die anderen Räume der beiden Obergeschosse war »Kalkeiche  creme« vorgesehen, was eben etwas mehr Farbe ins Spiel bringen und hoffentlich ein bisschen besser zu den Treppenstufen passen sollte. Na großartig! Ein schneller Check der Pläne verriet, dass der Sonderwunschkoordinator hier seinerzeit Mist gebaut hatte, indem er die falschen Produktnummern notiert hatte. Bonava sah den Fehler ein und nach ein paar Anrufen war dann klar, dass auch der von uns eigentlich bestellte Farbton noch auf Lager war, sodass jetzt schnellstmöglich die richtige Farbe in die Bude kommt – abgesehen vom kleinen Abstellraum, wo das Grau ruhig bleiben darf und vom Schlafzimmer eben, wo zwar, wie gesagt, das richtige Laminat verlegt wurde, allerdings in der falschen Richtung. Sieht so im Endeffekt aber schöner aus, als es nach unserer Vorgabe gewirkt hätte – Glück im Unglück also. Konnte von uns aus gern so bleiben.

Nicht so bleiben dagegen konnte und kann fast alles andere, denn es fehlte ja überall noch was: Die Brüstungsgitter an unseren bodentiefen Schlafzimmerfenstern waren noch nicht montiert, allerdings war der zuständige Schlosser zum Zeitpunkt unserer Besichtigung gerade eingetroffen. In den Bädern fehlten die Armaturen komplett, Zargen und Türen waren noch nicht verbaut, an den Fenstern waren noch kleinere Abschlussarbeiten zu erledigen, die finalen Treppenstufen waren ebenfalls noch nicht verbaut und vermutlich fehlten noch einige andere »Kleinigkeiten«.

Uff! Tja, so fanden wir uns schließlich samt Bauleiter, Projektleiter, Polier und unserem Sachverständigen wieder im Baucontainer ein und diskutierten über eine Verschiebung des Übergabetermins. Wir sind nun so verblieben, dass die Übergabe am 15. Dezember erfolgen wird. Für uns heißt das, wir haben weniger Vorlauf für Umzugsvorbereitungen im Haus, dafür hat Bonava aber zweieinhalb Tage mehr Zeit für die Fertigstellung, die dann hoffentlich reichen sollten – bzw. müssen, denn am 16. Dezember werden wir definitiv einziehen, komme, was da wolle.

Bis zuletzt fanden wir den Gedanken, bald in ein fertiges Haus zu ziehen, fast schon surreal. Nun ja, jetzt finden wir ihn noch viel surrealer.

Fotos haben wir uns dieses Mal gespart. Die Bilder im Kopf möchten wir eh schnell vergessen. Dafür eine witzige Randnotiz zum Schluss: Vor unserer Haustür standen bzw. lagen – als hätte sie jemand erschossen – bereits unsere Mülltonnen von der BSR, der ich zweimal den 16. Dezember als Termin für die Lieferung der Tonnen genannt hatte … Aber schön, dass wenigstens einer überpünktlich ist.

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3 Gedanken zu “Zeitnot ist der Planung Tod

  1. Dia dhuit, Thomas.
    Denke mir, daß hier zwei Kreisläufe spontan in den Sinkflug gingen; während die Magennerven an der Kehle klopften. Man/frau sprüht dann quasi vor Vitalwerten…
    Immerhin wurde keine lange Bank bemüht, sondern fix auf Abhilfe gesetzt; ein anwesender Sachverständiger bleibt hier Gold wert.
    Zwei Tage sind dabei ein gangbarer Kompromis – wenn sich alles Wesentliche bis dahin eingerenkt hat.

    Bei mir war seinerzeit die Abnahme ohne Beanstandung. Ich konnte sogar zwei Wochen früher, als angepeilt, einziehen. Kleine Stadt auf dem Land eben… ;-)

    Die „erlegten“ Mülltonnen sind vermutlich besser zu früh da, als „irgendwann nach Neujahr!“. Müll will man/frau schließlich los werden.

    Hoffe ja, daß die strapazierten Kreisläufe & Magennerven inzwischen wieder in ruhigen Gewässern baden!
    Lili wird die Sache eh ausgeschlafen haben…

    bonté

    • Hallo RoM,

      also so wie auf dem Flughafen soll’s bitte aber nicht laufen. Der ist ja auch schon seit geraumer Zeit von außen zumindest optisch fertig. ;)

      Im Prinzip können wir ja auch schon deutlich früher einziehen, als es vertraglich vereinbart war. Liegt aber wohl nur daran, dass der Bauträger noch ein paar Abschlüsse vor Bilanzschluss hinkriegen will, schätze ich. Insofern hatten wir da eh schon Glück, und nun haben wir eben ein bisschen Unglück im Glück, könnte man sagen. Aber auf dem Land und mit kleinen Firmen schaut’s in Sachen Flexibilität wohl doch noch mal ein bisschen anders aus. Hier kriegt man ja nicht mal Bescheid gesagt, wenn die Termine gerissen werden. *seufz*

      Ein wenig gedämpft ist die Stimmung nun natürlich schon, weil sich eben doch wieder ein paar Zweifel eingeschlichen haben, ob der Umzug nun überhaupt noch pünktlich klappt, aber in den besseren Momenten bin ich da eigentlich guter Dinge.

      Lili wird es natürlich egal sein, das stimmt wohl. :D Für sie bedeutet der Umzug ja auch nur einen kurzen Aufenthalt in der Katzenbox und ein paar Stunden im Bad, bevor sie dann auf Erkundungstour gehen darf.

      So denn, mit einigermaßen ruhigem Magen geht’s in die letzte Woche. Die ersten Kisten sind schon gepackt.

      Viele Grüße
      Thomas

  2. Pingback: Die Übergabe, oder: The Good, the Bad and the Ugly | aus der reihe

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