(Nicht) unter Strom

Mit dem allmählichen Ende des »Sommerlochs« endet auch der gefühlte Stillstand in Sachen Hausbau. Von außen ist schon länger kein wirklicher Baufortschritt mehr zu erkennen – mal abgesehen davon, dass das Baugerüst inzwischen verschwunden ist. Innen dürfte sich dagegen so einiges getan haben: Trockenbau und Sanitärinstallation sind im Gange und demnächst sollte auch die Elektrik verlegt sein. Erst dann steht der nächste Termin mit unserem Bausachverständigen an – der erste, bei dem auch wir etwas genauer hinschauen müssen.

Mit der Elektrik ist es nämlich so eine Sache bei Bonava. Hätten wir das Haus im Standard genommen und nichts an der Elektrik verändert, dann könnten wir direkt nach dem Einzug wohl eine Großbestellung Verteilerdosen anstoßen. Steckdosen kann man bekanntlich nie genug haben – relativ unverständlich also, weshalb so wenige vorgesehen sind. Kleines Beispiel gefällig? Im Studio, dem mit 30 Quadratmetern nicht eben kleinen Raum im zweiten Obergeschoss, sind laut Standard gerade einmal zwei Einfachsteckdosen enthalten. Wer in Sachen Heimelektronik nicht zufällig ein Asket ist oder den Raum als privates Yogastudio nutzt, der dürfte hier ziemlich schnell in die Röhre gucken.

Also haben wir uns ein paar Abende um die Ohren geschlagen, über dem Grundriss unseres Hauses und der späteren Nutzung der Zimmer gebrütet und nebenher die Schaltzeichen für die unterschiedlichen Installationen wie Steckdosen, Wand- und Deckenauslässe für Lampen auswendig gelernt. Die Planung mussten wir nämlich in Form der Symbole inklusive der Positionen in unseren Grundriss einzeichnen. Der Sonderwunschkoordinator durfte unser Gekrakel hinterher dann entziffern. Hier lohnt sich vor dem Unterschreiben des Angebots das genaue Nachkontrollieren. Beim Übertragen der individuellen Planung seitens des Sonderwunschkoordinators schlich sich nämlich der eine oder andere Fehler wie eine vergessene oder zu viel berechnete Steckdose ein.

Am Ende wird vermutlich immer die eine oder andere Steckdose fehlen, an die während der Planung einfach nicht gedacht wurde, aber generell gilt wohl: Lieber eine mehr einbauen lassen als eine zu wenig und anschließend über die herumliegenden Verteilerdosen stolpern. Wenn ich mich nicht verzählt haben sollte, kommen wir in Sachen Zusatzausstattung auf:

  • 8 zusätzliche Einfachsteckdosen
  • 7 zusätzliche Doppelsteckdosen
  • eine zusätzliche Gerätesteckdose
  • eine Umwandlung von Einfach- zu Doppelsteckdose

Besonderes Augenmerk mussten wir natürlich auf die Elektroplanung in der Küche legen. Sind die Steckdosen hier zu tief platziert, muss die Arbeitsplatte im schlimmsten Fall mit ein paar unschönen Aussparungen »verziert« werden. ;) An anderer Stelle konnten wir ein bisschen schachern: Dafür, dass wir beispielsweise die standardmäßig für einen Wäschetrockner vorgesehene Steckdose nicht wollten, wurde an anderer Stelle eine zusätzliche Dose nicht berechnet.

Auch fast schon unverständlich ist zumindest für mich, weshalb Bonava die Häuser nicht standardmäßig mit Netzwerkdosen ausstattet. In einem dreigeschossigen Haus muss sich das WLAN-Signal im schlimmsten Fall durch zwei Decken wurschteln. Wände gelten als »Wellenbrecher«, weshalb im Jahr 2016 eine gewisse Netzwerkausstattung zumindest in einem neuen Haus Standard sein sollte. Aber gut, Bonava verdient an zusätzlicher Ausstattung natürlich Geld, insofern ist mein Unverständnis vermutlich eine recht einseitige Sache.

Womit wir auch bei den Kosten wären: Von unseren Nachbarn wussten wir bereits im Vorfeld, dass man mit der Elektroplanung inklusive Netzwerkausstattung ganz schnell im vierstelligen Bereich landen kann. So war es dann auch bei uns, wobei wir uns bei der Planung schon zurückgehalten haben (beispielsweise haben wir auf zusätzliche Lichtschalter oder Decken- sowie Wandauslässe für Beleuchtung verzichtet): Mit ca. 1.100 Euro haben wir es allein für die Elektroausstattung doch nicht ganz geschafft, unterhalb der Tausend zu bleiben. Die Einzelkosten läppern sich hier aber auch recht schnell. Eine Einfachsteckdose kostete uns 55 Euro, eine doppelte 75 Euro, die Aufrüstung von einfach auf doppelt entsprechend 20 Euro. Eine Gerätesteckdose mit zusätzlicher Sicherung schlägt sogar mit 107 Euro zu Buche.

Nicht weniger teuer wird’s bei der Netzwerkverkabelung: Für vier komplettierte, also vollständig einsatzfähige Netzwerksteckdosen (Cat6) inklusive Wandverkabelung und Patchfeld (hier läuft alles zusammen) im Hausanschlussbereich durften wir knapp 850 Euro auf den Tisch legen. Knapp 2.000 Euro also für alles – ein Schnäppchen sieht anders aus. Hoffen wir also, dass wir beim nächsten Begehungstermin sämtliche Anschlüsse und Steckdosen dort vorfinden, wo wir sie geplant haben. Wir erwarten den Termin – Achtung Wortwitz – mit Spannung. ;)

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5 Gedanken zu “(Nicht) unter Strom

  1. Sali, Thomas.
    Die E-Knausrigkeit liegt den Bauunternehmen wohl in der DNA – obschon die sich ja beim gern propagierten 4.0-Haus eher umstellen müßten. ;-)

    Schalter, Dosen, Kabel-Buchsen & Dimmer ging ich damals selber mit dem Elektriker, vor Ort, durch. Weil mir der angebotene Standard nicht sonderlich gefiel, fiel die Wahl auf Abgerundet in Tiefschwarz; sieht noch immer zeitlos aus!
    Bei den Sammelbuchsen für Radio/TV/Strom erhielt jeder Wohnraum deren 2 (gegenüber gelegt). Das Net war ja in den frühen Neunzigern noch kein Thema, aber meine vier Rechner hängen auch problemlos an dem einen Router… :-)

    Trotz der Anzahl an Extra-Steckdosen besorgte ich mir im Verlauf der Jahre dennoch einige Mehrfachsteckdosen mit Kippschalter. Aus dem Grund, weil den Herstellern nach & nach einfiel, daß Aus-Schalter an elektrischen Geräten irgendwo „un-cool seien“. Gut, daß mein Bruder Schreiner ist & die Kipper sich dezent in die „Media-Zeile“ integrieren ließen.
    Persönlich sehe ich auch keinen Sinn darin, daß der Router im Modus 24/7 laufen muß. Aber ich habe auch keine „intelligente Wohnung“… :-)

    Die Häuslebauer gehen mit einer ähnlichen Taktik wie der einschlägige Autokonzern vor. In der Grundausstattung gibt es die „Holzklasse“; alle „Extras“ darüber läßt man/frau sich fürstlich honorieren.

    Immerhin – der Einzug glimmt bereits am Horizont!

    bonté

    • Hallo RoM,

      schwarze Steckdosen habe ich noch nirgends geseheng, glaub ich. Gibt’s die so heute noch? Wir hatten im Standard nur die Wahl zwischen abgerundeten weißen Dosen und Schaltern und noch abgerundeteren Exemplaren. Die Wahl fiel dann auf letztere. Fand ich persönlich etwas ansprechender als die leicht kantigeren Kollegen. Anderes wäre sicher auch möglich gewesen, aber die Preise dafür möchte ich lieber gar nicht wissen. :D Und alles ist besser als nikotingelben, knarzenden Teile, die wir in unserer derzeitigen Wohnung haben.

      Die eine oder andere Verteilerdose wird sich wohl auch bei uns nicht vermeiden lassen – speziell im Bereich der televisionären Unterhaltung. Ist ja auch gar nicht schlimm, solange das Teil versteckt irgendwo liegt und man nicht drüberfliegt. Schauen wir mal, ob wir eine essenzielle Stelle mit Steckdosen zu versorgen vergessen haben. ;)

      Ansonsten geht’s langsam auf die Zielgerade, genau. Wobei ich ja leider beim letzten Besuch feststellen musste, dass auf der Rückseite des Hauses der Anstrich noch immer fehlt. Hier steht auch das Gerüst noch, sodass alles sogleich einen viel unfertigeren Eindruck mach. Hoffen wir mal, dass sie’s dieses Jahr noch schaffen. Unser nächster Kraftakt wird der Küchenkauf. Immerhin: Die Planung diesbezüglich haben wir bereits abgeschlossen.

      Viele Grüße
      Thomas

      • …die Steckdosen/Lichtschalter in tiefschwarz sind kleine Hingucker, zumal das Material nach wie vor glänzt; denke schon, daß es ähnliche Ausführungen nach wie vor gibt – schließlich ist Schwarz zeitlos. Im Gegensatz jetzt zum Siff-Weiss, das sich im Baumarkt als Kiloware, nach wie vor, finden läßt. Die kenne ich ja noch aus der Kindheit. :-)

        Ist da jemandem die Farbe ausgegangen!? Kunst am Bau?!

        Ratsam, wenn Ihr den fertig gezeichneten Küchenplan, in den angegebenen Maßen, nochmals prüft; mancher Küchenplaner läßt gelegentlich Sorgfalt in die zweite Reihe treten.

        bonté

      • Siffweiß ist ’ne schöne Bezeichnung. :D Wie heißt die Farbe eigentlich offiziell? Dunkelweiß? Gips?

        Wegen der Farbe werde ich wohl demnächst dann unbedingt mal nachhaken. Ggf. nächste Woche, gerade ist’s nur Terminsabsprachen schwer. Man scheint immer nur kurzfristig zu wissen, wann was fertig ist und unser Sachverständiger ist diese Woche leider auch noch krank.

        Ich weiß gar nicht, ob sich der Küchenplan noch ändert, aber danke für den Hinweis. Bei Ikea ist das ja alles genormt und als Kunde plant man, sofern man nicht den recht neuen Planungsservice in Anspruch nimmt, selbst. Sofern der Plan dann zum Aufmaß nicht passt, muss man vermutlich noch mal neu planen. Was das angeht, bin ich gespannt. Werden wir aber wohl auch erst in ein paar Wochen wissen.

        Viele Grüße
        Thomas

  2. Pingback: Schlag auf Schlag | aus der reihe

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