Wenn der Schornsteinfeger, ach nee, der Zimmerer …

… auf dem Baugerüst steht und ein Gedicht vorträgt, dann sollte entweder irgendwer die Polizei rufen, oder es wird Richtfest gefeiert. Heute war’s zum Glück Letzteres. Vor ein paar Wochen verschickte Bonava, ehemals NCC, entsprechende Einladungen an alle Hauskäufer des Bauprojekts »Kasperstraße II« in Altglienicke, die noch in diesem oder voraussichtlich im kommenden Jahr ihre neue Bleibe beziehen werden.

Das Fest fand auf dem geplanten »Stadtplatz« statt, einer bislang noch recht ominösen Freifläche zwischen zwei Häusern direkt an der Wegedornstraße, über deren künftige Gestaltung derzeit noch fleißig gerätselt wird. Wir waren etwas früh vor Ort und sind daher noch ein paar Minuten ums Baufeld geschlichen, um uns den aktuellen Stand anzuschauen. Was unser Haus angeht, war der Fortschritt leider nicht mehr ganz so beeindruckend wie noch zuletzt: Lediglich eine der Giebelwände war bereits komplett verputzt, ansonsten grinste uns noch von überall das Dämmmaterial an. Der Bautrupp wird doch wohl jetzt nicht schwächeln? ;)

Gegen 13 Uhr fanden wir uns schließlich zur Eröffnung des Richtfestes ein, wo sich nicht nur bereits bekannte Bonava-Gesichter wie Projektleiter, Polier, Vertriebsmitarbeiter und Sonderwunschkoordinatoren tummelten, sondern auch nicht wenige der zukünftigen Nachbarn, dafür dass die Zeit für Berufstätige doch etwas ungünstig gewählt war. Ein alter Spruch sagt zwar, »Freitag nach eins macht jeder seins«, aber abgesehen von Bau und Behörde dürfte das für viele eben nicht gelten. Insofern hatte ich den Eindruck, dass das Fest zwar gut besucht war, aber längst nicht so viele künftige Hausbewohner anwesend waren, wie eingeladen wurden.

Die übrig gebliebenen Bändchen am Eingang bestätigten dies auch: Jedes Käuferpaar bekam ein Schlüsselband mit angehängter Parzellennummer ausgehändigt. Die meisten legten sich Selbiges direkt um den Hals, sodass natürlich sofort fröhliches Wer-könnte-denn-mein-direkter-Nachbar-sein-Suchen gespielt wurde. Unsere direkten Nachbarn zur linken Seite – Nummer 19 – kennen wir ja bereits. Die beiden waren ebenfalls anwesend, so hatten wir auch gleich jemanden fürs Tischgespräch.

Als allmählich alle Tische belegt und die Gäste in Gespräche vertieft waren, begann die traditionelle Richtfestzeremonie. Der Projektleiter sowie der Zimmerer, der in seiner schwarzen Tracht auch leicht für einen Schornsteinfeger gehalten werden konnte (was ein, zwei Leute, von denen ehrlicherweise ich einer war, auch taten), kraxelten das Baugerüst hinauf, wo Ersterer ein wenig über das Bauprojekt fabulierte und Letzterer schließlich den gereimten Richtspruch zum Besten gab. Ein Glas Sekt wurde an der Hauswand zerdonnert, während über dem Prozedere der am Baukran befestigte Richtkranz gemütlich im Wind baumelte.

Anschließend ging’s endlich ans Eingemachte, ans Essen nämlich. Es gab Fleisch vom Grill, diverse Salate und andere Beilagen, kalte Getränke ohne und mit Alkohol, einige Desserts und Kuchen. Ich würde sagen, es dürfte jeder satt geworden sein. Organisatorisch war hier auf jeden Fall nichts zu beanstanden.

Zwischendurch lernten wir dann auch endlich zumindest kurz unsere anderen Nachbarn aus der Nummer 17 kennen. Wir hatten ja schon gedacht, dass das Haus wie so einige nur gekauft und anschließend vermietet werden würde, aber das scheint nun doch nicht der Fall zu sein. Einige weitere für uns neue Gesichter erfuhren in Gesprächen zudem, dass wir seit längerer Zeit ein Diskussionsforum betreiben. Wer also hier mitliest und noch nicht dabei ist: Hereinspaziert, es sind noch reichlich Plätze frei!

Einige Stunden, drei vier Forumsbeitritte und einen inzwischen doch gut sichtbaren Sonnenbrand später machten wir uns auf den Heimweg. Vor lauter Kurzweil haben wir es leider versäumt, viele, viele Fotos zu machen. Ein schnell geschossenes Smartphone-Foto von der Richtfestzeremonie sowie vom aktuellen Baufortschritt müssen es daher dieses Mal auch tun.

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Wenn der Schornsteinfeger, ach nee, der Zimmerer …

  1. Jassu, Thomas.
    Richtfest auf dem Stadtplatz liest sich in der Einladung sicher annähernd wie ein gesellschaftlicher Event. Vorfahrende Limousinen, livrierte Diener wie ein Zeremonienmeister im Ornat…
    Dürfte interessant werden wie die besagte Freifläche so ausgestalltet wird; Bäume würden sich anbieten. Im Zweifel alle Fälle wird es auch lediglich die Feuerwehrzufahrt. 😉

    Wie mir scheint hat der Hohe Rat des Festkomitees für etwas Gesellschaftsspiel-Atmosphäre gesorgt, indem er die Hausnummern verteilen ließ. In solchen Fällen setzt dann schnell ein who-is-who ein. Besser als jeder Animateur.
    Fabeln & Dichtkunst hoch vom Gerüst…was ein Glück, dass es sowas im Gartenbau nicht gibt.

    Nicht zu vergessen, das Wetter war der Veranstaltung wohlgesonnen – ein gutes Zeichen!

    bonte

    • Hallo RoM,

      bisher ist der Stadtplatz auch echt nur ein Sandkasten, in dem die Arbeiter ihren Stahl abstellen können. Die Anreise mussten wir leider auch selbst organisieren, man ist eben doch nur Pöbel. ;) Was sie letztlich aus dem Platz machen, interessiert mich auch jetzt schon brennend. Im Zweifel hockt nachher einfach die »Dorfjugend« drauf und trinkt Bier.

      Ich fände zeremoniell angehauchte Gartenbaugedichtlesungen übrigens cool. »Rasen« lässt sich ja noch ganz gut reimen, aber adäquate Reime auf »Tomatenstrauch« und »Chrysanthemen« würden mich doch mal interessieren. :D

      Viele Grüße
      Thomas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.