Grunderwerbsteuer, oder: Das doppelte Steuerlottchen

Ein fertiges Haus haben wir zwar noch nicht, eigentlich noch nicht mal ein umgepflügtes Grundstück, dafür hält aber das Finanzamt schon mal kräftig die Hand auf. Gestern ging uns die Aufforderung zu, die Grunderwerbsteuer zu entrichten.

Wer sich mit dem Hauskauf schon mal befasst hat, der weiß, dass das ein ziemlich, ziemlich, ziiiemlich dicker Batzen sein kann. Man weiß das vorher, insofern ist es dann wenig schockierend, aufgefordert zu werden, einen fünfstelligen Betrag zu zahlen, für den man im Prinzip ja keinen Gegenwert bekommt.

Ein Kollege wies mich vor einiger Zeit darauf hin, dass es bezüglich der Grunderwerbsteuer ein laufendes Verfahren wegen Doppelbesteuerung gebe: Hintergrund in aller Kürze ist, dass auf die Bauleistung, wenn der Erwerb des Grundstücks und der Bau des Hauses aus einer Hand kommen, ja bereits Umsatzsteuer (für die Bauleistungen) gezahlt wird, auf den Gesamtbetrag aber eben auch noch Grunderwerbsteuer erhoben wird. In Deutschland gilt aber das Verbot der Doppelbesteuerung.

Wenn man im Internet danach sucht, findet man so Einiges, aber nicht, was man sucht. Nach ein wenig Recherche und Einlesen fand ich heraus, dass das Verfahren bereits abgewiesen wurde, es aber das Revisionsverfahren »II R 22/13« gibt. Seit April dieses Jahres ist aber wohl leider auch der Drops gelutscht. Das Urteil des Bundesfinanzhofs wird damit begründet, dass Baugrundstück und Haus in den betroffenen Fällen (also auch im Falle des Hausbaus mit NCC) ein einheitlicher »Erwerbsgegenstand« sind. Aha. Wer das Urteil komplett lesen möchte: Bitte schön.

Wer jetzt also vorhatte, Einspruch gegen die Aufforderung zur Zahlung der Grunderwerbsteuer einzulegen, kann sich den Schritt offenbar sparen.

Advertisements

6 Gedanken zu “Grunderwerbsteuer, oder: Das doppelte Steuerlottchen

  1. An der Tankstelle nicht anders, mit der Mehrwertsteuer die ich in meinem Leben auf Mineralölsteuer gezahlt habe, könnte man wohl ein neues Auto kaufen :-|
    Nicht ärgern :-)

    • Hallo Tobi,

      ja, das ist ein gutes Beispiel. Der Staat legt sich die Argumente schon so zurecht, dass er die eigenen Verbote umgehen kann. ;) Absurd eigentlich.

      Viele Grüße
      Thomas

  2. Latha math, Thomas.
    Dem Fiskus ist das Geld seiner Bürger so innig lieb wie herzlich teuer. Ein gewißer Dagobert-Effekt läßt sich da nicht verneinen.
    Immerhin können wir uns heute mit Geld „frei kaufen“ und müssen keine Fronarbeit leisten.*

    Einen Urteilstext in voller Länge lesen?!
    Von Selbstgeißelung in Tateinheit mit autogener Kasteiung halte ich weniglich… :-)

    Immerhin könnt Ihr Euch auf auf die erste Anforderung der Grundsteuer freuen, denn dann seid Ihr endgültig die Besitzer des Fleckens Erde (der for längerer Zeit noch unter einem warmen Binnenmeer lag).
    bonté

    * stellen wir uns kurz 14 Tage auf der nahen Baustelle für die Umgehungsstraße vor

    • Hallo RoM,

      das mit der Fronarbeit stimmt leider bei uns nicht so ganz. Wir müssen immerhin ja den bereits erwähnten Obstbaum pflanzen. Na gut, ist vielleicht immer noch angenehmer als abrackern auf der Baustelle.
      Ach ja, die Grundsteuer kommt dann ja auch noch. Manchmal kann ich die vermeintlich »Verrückten« fast verstehen, die mal so eben ihr Grundstück zum eigenen Staat mit eigenen Gesetzen erklären.

      Viele Grüße
      Thomas

      • …wobei die Senilen der Kleinstaaterei gern übersehen, daß sie (und ihre Staat-Parzelle) nicht im luftleeren Raum schweben. Versorgungs- & Entsorgungsleitungen. Wegenetz. Notfallambulanz. Katastrophenschutz…
        Gut, für so manchen Wutschnaub-Bürger geht die Welt nicht weiter als bis zum Brett an der eigenen Stirn… :-)

        Ein lutherisch angedachter Obstbaum also – wobei ich hier einen Spalierbaum empfehlen könnte; der läßt sich nämlich im Wuchs übersichtlich klein halten.

        Letzens habe ich meinen Bruder über die derzeitigen Lieferfristen für Küchen interviewt: Drei Monate.

        bonté

      • Ja, das stimmt schon. Das mit der Grundsteuer kann ich entsprechend auch verstehen, aber die Grunderwerbsteuer ist schon irgendwie fies. Der merkt man halt auch an, dass sie nur dazu da ist, dem Staat eine Gelegenheit zu verschaffen, den Bürger etwas zu erleichtern – ausschließlich finanziell, versteht sich.

        Ich weiß leider auch gar nicht, ob wir beim Baum überhaupt eine Wahl haben, oder ob sogar die Sorte vorgegeben wird. Na, wir werden sehen. Leider muss ich mir dann auch noch eine Schaufel beschaffen, fürchte ich. Der moderne Stadtmann hat ja nichts mehr da irgendwie.

        Puh, drei Monate! Ist zwar immer noch besser als ein halbes Jahr, aber schon lange, wenn man bedenkt, dass man die Küche ja nicht hat, um eine Küche zu haben, sondern, weil man sich eventuell auch mal was zu essen machen möchte. *seufz*

        Viele Grüße
        Thomas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.