Vertragsunterzeichnung beim Vorleser

Seit noch nicht ganz zwei Wochen sind wir nun so ganz offiziell Hauskäufer. Der Kaufvertrag wurde von uns am 9. September in der Kanzlei des Notars unterzeichnet. Zugegen waren natürlich der Notar selbst sowie zwei Vertreter von NCC. Einen von beiden kannten wir ja bereits von den Besichtigungen im Musterhaus. Vorab hatten wir natürlich schon den Vertragsentwurf zum Gegenlesen bekommen. Ich sagte vorher noch zu meiner Freundin: »Der wird ja wohl nicht kompletten Vertrag vorlesen.«

Aber doch, ganz genau so lief es ab: 24 Seiten Vertragswerk, gespickt mit Juristendeutsch, vermint mit Paragraphennummern. Wir saßen dem Notar gegenüber, der den Vertrag in einem Tempo vorlas, dass wir während des Mitlesens kaum mit den Augen nachkamen. Hab ich auch noch nicht erlebt, so was. Eine sehr interessante und auf gewisse Art auch amüsante Erfahrung. Hier und da erklärte uns der Notar noch die eine oder andere Passage und weshalb an welcher Stelle welche Regelung Anwendung fand. Das will auch erst mal alles verstanden werden. Wer denkt sich bitte solche Regeln aus und wer formuliert solche Sätze?!

Im Anschluss kamen unsere Unterschriften drauf. Seit diesem Moment ist die Sache offiziell durch. Laut unserem Finanzierungsberater ist es auch gar nicht so einfach, aus einem solchen Vertrag wieder herauszukommen. Während man ein Darlehen notfalls per Widerruf loswerden kann, ist es bei notariell beglaubigten Verträgen nicht ganz so leicht. Deswegen predigte der Finanzierungsberater auch nachdrücklich, dass immer zuerst die Finanzierung zu hundert Prozent gesichert sein sollte, bevor man einen Hauskaufvertrag unterschreibt. Gut zu wissen auf jeden Fall.

Leider mussten wir ein paar Tage später dann noch mal zum Notar, weil zur Vertragsunterzeichnung die sogenannte Grundschuldbestellungsurkunde noch nicht vorlag. Die bekommt der Notar von der finanzierenden Bank. Beim zweiten Termin wurde diese dann noch mal im Rekordtempo vorgelesen und unterzeichnet, womit das Thema der Notarbesuche hoffentlich durch sein dürfte.

So schnell, wie der Notar vorlas, hatten wir übrigens auch die Rechnungen im Briefkasten. Klar, man weiß ja immer, was auf einen zukommt, aber wenn man den ersten Batzen überweisen soll und im Prinzip ja noch nichts Greifbares dafür bekommt, macht das einen schon ein wenig mürrisch. Aber nur einen Moment lang, denn letztlich überwiegt dann eben doch die Vorfreude auf die eigenen vier Wände.

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2 Gedanken zu “Vertragsunterzeichnung beim Vorleser

  1. Hoi, Thomas.
    Im Grunde kann man/frau sich fragen, worin die erbrachte Leistung eines Notars nun eigentlich bestehen mag. Ein „schön Schriftwerk“ zu verfaßen, zu siegeln & runterzurattern kann die Prozente an der Kaufsumme irgendwie leidlich rechtfertigen. Gut, da werden Liegenschaften überprüft, diverse Ämter informiert & alles ist sakrosant beglaubigt. Ber d e r Stundenlohn!? ;-)

    Wer derart verkantet über eigentliche Normalitäten denkt & schreibt? Juristen! Die Priesterschaft des Rechts sozusagen – und ähnlich kryptisch & zeremoniell geben sie sich auch gerne.

    Für Rechnungen aus solchen Kanzleien wird die Lichtgeschwindigkeit gern ausfereizt. Skeptiker meinen es wäre das erste Schriftstück überhaupt, das erstellt wird.

    Das Brot zu Groucho-Anwalt:
    „Sie haben doch noch garnichts getan!“
    „Doch – ihnen eine Rechnung ausgestellt; hier meine Rechnung dafür…“

    bonté

    • Hallo RoM,

      na ja, ich hab in dem Fall gar nicht angefangen, mich drüber zu ärgern. Erstens wusste ich ja vorher, was auf uns zukommt, und zweitens kann ich’s ja sowieso nicht ändern. Und klar, der Notar muss sicher noch so Einiges regeln und Anschreiben verfassen, etc. pp., aber wenn man bedenkt, dass das meiste wahrscheinlich auch nur Vorlagen sind, die er so herumliegen hat und deren Textmarken er zu gegebener Zeit mit relevantem Inhalt füllt, dann darf man sich schon fragen, wie sich ein derart hohes Salär denn nun tatsächlich realistisch rechtfertigen lässt.

      Viele Grüße
      Thomas

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